Psychotherapie
Fachinformationen

Herzlich Willkommen bei den Psychotherapie-Fachinformationen.

Affektive Störungen

Einleitung

Die Erkrankungen Depression und Manie sind Jahrtausende alte Begleiter der Menschheit. Bereits Hippokrates beschrieb im 4. Jahrhundert vor Christus die Symptome der Depression und Manie, die er als Störungen der „schwarzen und gelben Galle“ ansah. Der Begriff Melancholie (von griechisch μελας melas, „schwarz“ und  χολη cholé, „Galle“) erinnert immer noch an das von Hippokrates beschriebene Konzept der humoralen Störungen („Viersäftelehre“), in welchem er als Ursache für die Melancholie eine Überschuss an „schwarzer Galle“ im Körper vermutete.

 

Definition nach ICD-10

Die InternationaIe Klassifiktion der Krankheiten (International Classification of Diseases, ICD-10) definiert affektive Störungen als Erkrankungen, deren Hauptsymptome in einer Veränderung der Stimmung oder der Affektivität (entweder zur Depression oder zu gehobener Stimmung) bestehen. Der Stimmungswechsel wird zumeist auch von einer Veränderung des allgemeinen Aktivitätsniveaus begleitet, dass heißt die Betroffenen sind in den Krankheitsphasen auffällig aktiver oder weniger aktiv als vor der Erkrankung oder in „gesunden“ Phasen. Die affektiven Störungen gehen mit vielen weiteren Symptome einher, die im Zusammenhang mit dem Stimmungs- und Aktivitätswechsel stehen. Die meisten affektiven Störungen neigen zu Rückfällen. Der Beginn der einzelnen Episoden steht oft mit belastenden Lebensereignissen oder Situationen in Zusammenhang.

Unterschieden werden u.a. manische Episoden, bipolare affektive Störungen, depressive Episoden, die rezidivierende depressive Störungen, die Zyklothymia (Zyklothymie) und die Dysthymia (Dysthymie).

 

Definition in Anlehnung an das DSM-IV

Im Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM-IV) werden die Depression, Manie, Zyklothymia (Zyklothymie) und die Dysthymia (Dysthymie) als Mood disorders zusammengefasst.

Als Major Depression wird im DSM-IV eine über mindestens zwei Wochen bestehende depressive Erkrankung bezeichnet. Die bipolaren Störungen werden im DSM-IV in Bipolar-I-Störung und Bipolar-II-Störung unterschieden. Als Dysthymie werden depressive Erkrankungen bezeichnet, die über mindestens zwei Jahre bestehen, die aber nicht den Schweregrad einer Major Depression erreichen. Die Zyklothymie beschreibt analog über mindestens zwei Jahren bestehende Erkrankungen mit Schwankungen zwischen depressiven und hypomanen Phasen, welche nicht das Ausmaß der bipolaren Störungen erreicht.

 

Differentialdiagnose

Im Rahmen der Diagnosestellung muss geklärt werden, ob es sich um eine primäre affektive Erkrankung handelt, oder ob die Symptome im Rahmen einer anderen körperlichen oder psychischen Erkrankung auftreten. Neben den unten genannten körperlichen Erkrankungen und Substanznebenwirkungen sollte an psychischen Störungen, insbesondere das Vorliegen einer Angststörung sowie von schizophrenen Symptomen, gedacht werden.

Affektive Störungen im Rahmen organischer Erkrankungen

Nahezu alle körperliche Erkrankungen haben auch einen Einfluss auf die Stimmungslage der Betroffenen (und ihrer Angehörigen). Viele organische Erkrankungen können darüber hinaus zu manifesten depressiven Symptomen führen. Dabei kann unterschieden werden in einerseits depressive Symptomen als Krankheitsfolge im Sinne einer Anpassungsreaktion (bei ca. 25% aller chronisch Erkrankten!) und andererseits in direkt mit der organischen Erkrankung einhergehenden depressiven Symptomen wie z.B. bei bestimmten Stoffwechselerkrankungen.

Beim Neuauftreten einer affektiven Erkrankung sollten nach Möglichkeit ergänzend folgende organmedizinischen Untersuchungen durchgeführt werden:

  • Laboruntersuchung (Blutbild, BKS, Leberwerte, Nierenwerte)
  • EKG
  • EEG
  • Ggf. CCT.

Weitere Untersuchungen wie z.B. Schilddrüsenwerte, HIV-Test etc. sind je nach Verdachtsdiagnose sinnvoll bzw. erforderlich.

Stoffwechselerkrankungen

Falls der klinische Verdacht besteht, sollten mögliche Stoffwechselerkrankungen abgeklärt werden. Dazu gehören insbesondere die Schilddrüsenunterfunktion und -überfunktion (Hypothyreose und Hyperthyreose) sowie die Nebennierenrindenunterfunktion und -überfunktion (Morbus Cushing, Morbus Addison).

Neben diesen Erkrankungen können zum Beispiel auch die Nebenschilddrüsenüberfunktion und -unterfunktion (Hyperparathyreoidismus und Hypoparathyreoidismus) oder ein Diabetes mellitus mit depressiven Symptomen einhergehen. Bei entsprechendem Verdacht sollte auch an Multiple endokrine Neoplasien (MEN) gedacht werden.

Falls die Betroffenen neben der Depression unter rezidivierenden abdominellen Schmerzen leiden, sollte als Differentialdiagnose zu somatoformen Symptomen auch eine Porphyrie ausgeschlossen werden.

Infektionskrankheiten

Bei entsprechendem Risikoverhalten ist der Ausschluss einer HIV-Infektion erforderlich, um eine mögliche AIDS-Erkrankung mit zentralnervöser Beteiligung auszuschließen. Depressive Symptome können auch durch verschiedene andere Infektionskrankheiten wie z.B. die Mononukleose (Pfeiffersches-Drüsenfieber), die Viruspneumonie, Influenza (Grippe) oder Typhus hervorgerufen werden.

Zerebrale Veränderungen

Eine zerebrale Minderdurchblutung kann sekundär zu affektiven Störungen führen. Als Ursachen für die Minderdurchblutung des Gehirns kommen z.B. eine verschlechterte Pumpfunktion des Herzens wie bei Herzinsuffizienz oder kardiale Arrythmien in Betracht. Auch eine verschlechterte Lungenventilation wie z.B. bei der Schlafapnoe oder der chronisch obstruktiven Bronchitis (COPD) können zu einer Minderversorgung des Gehirns mit Sauerstoff führen. Neben der entsprechenden internistischen Diagnostik sollten bei entsprechendem Verdacht zusätzlich ein EEG und ein CCT durchgeführt werden.

Auch neurodegenerative Erkrankungen wie z.B. die Alzheimer-Erkrankung, der Morbus Parkinson oder die Enzephalomalazie, entzündliche Gehirnerkrankungen wie die Encephalomyelitis disseminata oder auch eine schlecht eingestellte Epilepsie können depressive Symptome verursachen.

Neoplasien

Tumorerkrankungen können ebenfalls depressive Symptome verursachen. Neben cerebralen Tumoren sollte bei entsprechendem Verdacht u.a. an den Ausschluss eines Pankreaskarzinoms und den Ausschluss von Leukämien gedacht werden.

Affektive Störungen als Medikamentennebenwirkungen

Verschiedene Medikamente können als Nebenwirkungen Depressionen hervorrufen. Dazu gehören u.a.:

  • Psychopharmaka, z.B. Benzodiazepine, Phenothiazine, Chlorpromazin,
  • Kardiaka und hirngängige antinoradrenerge Antihypertensiva, z.B. Reserpin, Metoprolol, Propranolol, Prazosin, Clonidin, Alpha-Methyldopa, Digitalis,
  • Zytostatika, z.B. Vincristin, Vinblastin,
  • sowie u.a. auch Indometacin, Levodopa, Disulfiram, Cimetidin, Kortikosteroide, Opiate, Antikonvulsiva oder orale Antikonzeptiva.

Affektive Störungen bei Alkohol- und Drogenkonsum

Täglicher Alkoholkonsum korreliert in einem hohen Grad mit dem Auftreten bzw. Vorliegen von depressiven Symptomen. Therapeutisch im Vordergrund steht in diesen Fällen insbesondere die Behandlung der Alkoholabhängigkeit. Bei bipolaren Erkrankungen kann es vorkommen, dass die Betroffenen insbesondere in den manischen Phasen vermehrt Alkohol konsumieren, wobei dann insbesondere die Behandlung der Manie im Vordergrund steht.

Drogenkonsum kann zu erheblichen affektiven Störungen führen. Langjähriger Cannabiskonsum oder Amphetaminmissbrauch kann zu hypomanen, ängstlichen, depressiven oder psychotischen Symptomen führen. Langjähriger Kokainkonsum kann manische oder depressive Symptome hervorrufen.

 

Epidemiologie

Insgesamt besteht für alle affektiven Störungen eine Punktprävalenz von ca. 15-30%, das heißt ca. ein Viertel aller Menschen leidet unter mehr oder weniger ausgeprägten Stimmungs- und Affektveränderungen. Unter den schwereren affektiven Störungen kommt die depressive Episode mit einer Punktprävalenz von ca. 5% am häufigsten vor.

 

Verlauf

Die affektiven Erkrankungen Verlaufen häufig in sich wiederholenden Krankheitsphasen, die von mehr oder weniger langen „gesunden“ Phasen unterbrochen sein können. Es kann dabei auch zu einer saisonalen Häufung kommen, d.h. das Krankheitsphasen vorrangig zu bestimmten Jahreszeiten auftreten. Als „Rapid Cycling“ bezeichnet man das Auftreten von mindestens vier Krankheitsepisoden innerhalb von 12 Monaten.

 

Symptome

Die Symptome der verschiedenen affektiven Störungen werden in den Kapiteln der jeweiligen Störungsbilder (Manische Episoden / Bipolare affektive Störungen, Depressionen, Zyklothymia, Dysthymia) dargestellt.
 

 

Fachbücher zum Thema Affektive Störungen

        

<< Vorherige Seite                       - Zum Seitenanfang -                       Nächste Seite >>

© Dr. Elze - PsychNet, Prien am Chiemsee / Rosenheim, www.Dr-Elze.de
 

 

Auf dieser Website suchen:
Loading

Inhaltsübersicht:

Praxis Dr. Elze


Praxis für Psychotherapie Dr. Elze

Startseite - Behandlungsangebot - Über uns... - Kontakt - Anfahrt - Aktuelles - Termine Sprechzeiten - Gibt es freie Therapieplätze?
 

Dr. Elze - PsychNet


Patienteninformationen

Depressionen - Bipolare Erkrankungen - Dysthymie - Zyklothymie
Ängste und Phobien - Agoraphobie - Soziale Phobie - Spezifische Phobien - Panikattacken
Traumatisierung/PTSD - Burnout-Syndrom - Zwänge - Chronische Schmerzen - Medikamente

Beratungsstellen:
Rosenheim - Traunstein - Miesbach - Wasserburg - Salzburg - Kufstein - München

Inhaltsverzeichnis - Von A bis Z
 

Dr. Elze - PsychNet


Fachinformationen

Affektive Störungen - Depressionen - Bipolare Störungen - Dysthymia - Zyklothymia
Angststörungen - Zwangsstörungen - Posttraumatische Belastungsstörung - Burnout-Syndrom
Chronische Schmerzstörung
Therapieverfahren - Psychopharmaka

Inhaltsverzeichnis - Von A bis Z
 

 

Impressum - Rechtliche Hinweise - Datenschutzerklärung
Bitte beachten Sie unsere Hinweise zu Medizinischen Informationen und Gesundheitsthemen

Diese Seite drucken


 

© Dr. Sandra Elze und Dr. Michael Elze
Prien am Chiemsee / Rosenheim, www.Dr-Elze.de
Letzte Aktualisierung: Mittwoch, 16. Mai 2012

 

Fachinformationen