Bipolare Störungen: Therapie
Übersicht
Die effektivste Therapie der bipolaren Erkrankungen besteht häufig in einer Kombination aus einer psychotherapeutischen Behandlung und einer medikamentösen Stimmungsstabilisierung.
Psychotherapie
Die psychotherapeutische Behandlung ähnelt in weiten Teilen der Behandlung der Depression.Dabei muss jedoch berücksichtigt werden, dass die Betroffenen in den manischen Phasen einer psychotherapeutische Behandlung nur bedingt zugänglich sind. Die Therapie kann sich deswegen in den manischen Phasen schwierig gestalten, da den Betroffenen in diesen Krankheitsphasen oft die Krankheitseinsicht fehlt und deswegen häufig auch nur eine sehr geringe Therapiemotivation besteht.
Die Psychotherapie erfolgt in den manischen Phasen vorrangig unterstützend und strukturierend. Ziel ist vorrangig der Schutz der Betroffenen. Auch die Strukturierung der Tagesstruktur mit einer Abschirmung vor einem Übermaß an äußeren Einflüssen sowie die Einhaltung eines geregelten Tag-Nacht-Rhythmus können von den Betroffenen als unterstützend empfunden werden.
Pharmakotherapie
In der medikamentösen Behandlung der bipolaren affektiven Störungen wird in die Behandlung einer akuten Manie sowie in die Rezidiv- bzw. Phasenprophylaxe unterschieden.
Therapie der akuten Manie
Zur medikamentösen Therapie der akuten Manie werden von der International Society for Bipolar Disorders (ISBD) Lithium, Valproinsäure oder atypische Neuroleptika als erste Wahl empfohlen (vgl. Yatham 2009).
Bezüglich der atypischen Neuroleptika konnte in den bisher durchgeführten Studien eine antimanische Wirkung für Aripiprazol, Olanzapin, Quetiapin, Risperidon und Ziprasidon nachgewiesen werden. Auch für Clozapin gibt es Hinweise auf eine antimanische Wirkung bei jedoch noch unzureichender Studienlage. Neben der oben genannten Monotherapie wird alternativ auch die Kombinationsbehandlung mit Lithium oder Valproinsäure in Kombination mit Quetiapin, Risperidon oder Olanzapin als mögliche Therapie der ersten Wahl empfohlen.
Rezidiv- bzw. Phasenprophylaxe
Für die Rezidiv- und Phasenprophylaxe werden u.a. die Monotherapie mit Lithium, Lamotrigin, Valproinsäure, Quetiapin oder Olanzapin sowie die Kombinationsbehandlung mit Olanzapin + SSRI, Lithium + SSRI, Lithium + Bupropion, Valproinsäure + SSRI oder Valproinsäure + Bupropion als erste Wahl empfohlen (vgl. Yatham 2009, Ansari 2010).
Bei den bipolaren Störungen mit „rapid-cycling“ besteht die Vermutung, dass die Therapie mit Antikonvulsiva der Lithium-Therapie überlegen ist. Auf die Nebenwirkungen und die Plasmaspiegel der einzelnen Substanzen muss insbesondere in der Kombinationstherapie ein großes Augenmerk gelegt werden.
Es gibt Hinweise, dass die Behandlung mit Lithium oder Antikonvulsiva das Risiko für Suizidversuche bei Patienten mit bipolarer affektiver Störung senken kann (vgl. Gibbons 2009, Goodwin 2003, Greil 1997).
Bei ausgeprägten depressiven Symptomen kann gegebenenfalls zusätzlich die Kombination mit einem Antidepressivum sinnvoll sein. Hierbei muss jedoch auf die Gefahr eines “Switch-Effektes” mancher Antidepressiva geachtet werden. “Switch-Effekt” bedeutet, dass manche Antidepressiva einen Wechsel von einer depressiven in eine (hypo-)manische Phase auslösen können.
Literatur (Bipolare affektive Störungen: Pharmakotherapie):
Ansari A, Osser DN (2010). The psychopharmacology algorithm project at the Harvard South Shore Program: an update on bipolar depression. Harv Rev Psychiatry 18(1): 36-55. >> Abstract
Gibbons RD, Hur K, Brown CH, Mann JJ (2009). Relationship between antiepileptic drugs and suicide attempts in patients with bipolar disorder. Arch Gen Psychiatry; 66(12): 1354-60. >> Abstract
Goodwin FK, Fireman B, Simon GE, Hunkeler EM, Lee J, Revicki D (2003). Suicide risk in bipolar disorder during treatment with lithium and divalproex. JAMA; 290(11): 1467-73. >> Zum Artikel (Volltext)
Greil W, Ludwig-Mayerhofer W, Erazo N, Schöchlin C, Schmidt S, Engel RR, Czernik A, Giedke H, Müller-Oerlinghausen B, Osterheider M, Rudolf GA, Sauer H, Tegeler J, Wetterling T (1997). Lithium versus carbamazepine in the maintenance treatment of bipolar disorders - a randomised study. J Affect Disord; 43(2): 151-61. >> Abstract
Yatham LN, Kennedy SH, Schaffer A, Parikh SV, Beaulieu S, O'Donovan C, MacQueen G, McIntyre RS, Sharma V, Ravindran A, Young LT, Young AH, Alda M, Milev R, Vieta E, Calabrese JR, Berk M, Ha K, Kapczinski F (2009). Canadian Network for Mood and Anxiety Treatments (CANMAT) and International Society for Bipolar Disorders (ISBD) collaborative update of CANMAT guidelines for the management of patients with bipolar disorder: update 2009. Bipolar Disord; 11(3): 225-55. >> Abstract
Elektrokonvulsionstherapie
Falls die erstgenannten Behandlungsmethoden keinen ausreichenden Effekt zeigen, kann eventuell eine Elektrokonvulsionstherapie (EKT) sinnvoll und erforderlich werden.
© Dr. Elze - PsychNet, Prien am Chiemsee / Rosenheim, www.Dr-Elze.de
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