Depressionen: Psychotherapie
Übersicht
Es wurden verschiedene psychotherapeutische Verfahren zur Behandlung von Depressionen entwickelt. Neben den Ansätzen der tiefenpsychologisch-orientierten Psychotherapie gehören dazu u.a. die Kognitive Verhaltenstherapie nach Lewinsohn und Beck, die Interpersonelle Psychotherapie nach Klerman und Weismann sowie das Cognitive Behavioral Analysis System of Psychotherapy (CBASP) nach McCullough.
Ein wichtiger Faktor bei der Beurteilung des erforderlichen Behandlungsumfanges ist das bei den jeweiligen Betroffenen bestehende Suizidrisiko. Bei einer erhöhten Suizidgefahr sollte zunächst eine stationäre Behandlung erfolgen. Weitere Indikationen für eine stationäre Behandlung sind zum Beispiel das Auftreten von psychotischen Symptomen oder eine erhebliche Vernachlässigung der Selbstfürsorge (z.B. durch erhebliche Mangelernährung, ausgeprägte Hemmung mit Unfähigkeit zu Alltagstätigkeiten etc.). Auch ausgeprägte manische Symptome machen häufig eine stationäre Behandlung erforderlich. Diese kann sich jedoch schwierig gestalten, da den Betroffenen in der manischen Phase oft die Krankheitseinsicht fehlt
Kognitiv-behaviorale Therapie („Kognitive Verhaltenstherapie”) bei Depressionen
Die verhaltenstherapeutische Behandlung der Depression setzt sich aus verschiedenen Therapieelementen zusammen.
Psychoedukation und Verhaltensanalyse
Zu Beginn der Behandlung steht zunächst die Psychoedukation. Die Therapeuten versuchen gemeinsam mit den Betroffenen zunächst ein Erklärungsmodell für die Krankheit zu entwickeln, um den Betroffenen zu vermitteln, welche Faktoren die Krankheit aufrecht erhalten bzw. ausgelöst haben. Hierzu können die Therapeuten gemeinsam mit den Betroffenen eine sogenannte Verhaltensanalyse durchführen, in der wichtige Auslöser und Verstärker der depressiven Symptomatik erarbeitet werden und Zusammenhänge zwischen eigenen Einstellungen und Verhalten sowie der Krankheitssymptomatik herausgearbeitet werden können.
Behaviorale Therapie
Basierend auf dem „Verstärkungstheoretischen Modell der Depression“ nach Lewinsohn und dem „Konzept der erlernten Hilflosigkeit“ nach Seligmann versuchen die Therapeuten im Rahmen der behavioralen Therapie mit den Betroffenen wieder vermehrte positive Verstärker aufzubauen. Die Pat. lernen, wieder eigenständig hilfreiche Aktivitäten durchzuführen und hierdurch das eigene Selbstbild und das Gefühl der Selbstwirksamkeit wieder aufzubauen. Die Betroffenen können im Rahmen eines sozialen Kompetenztrainings lernen, mit Kritik leichter umzugehen und ihren sozialen Umkreis wieder zu erweitern. Hierzu werden die sozialen Fertigkeiten der Betroffenen geschult und ihr Selbstbewusstsein gefördert. Falls erforderlich kann ergänzend auch ein Kommunikationstraining durchgeführt werden.
Kognitive Therapie
Anhand der in der Verhaltensanalyse erarbeiteten typischen dysfunktionalen Kognitionen (belastenden Gedanken) der Betroffenen versuchen die Therapeuten zusammen mit den Betroffenen Möglichkeiten zu entwickeln, wie die Betroffenen diese Denkschemata eigenständig erkennen und verändern können. Belastende Denkschemata wie z.B. selbstabwertende Gedanken werden kritisch überprüft und mögliche hilfreichere Gedanken entwickelt. Ergänzend vermitteln die Therapeuten den Betroffenen verschiedene Übungen wie z.B. den „Gedankenstopp“, damit die Betroffenen Grübelkreisläufe und Gedankenketten leichter unterbrechen können.
Psychodynamische Therapie (“Tiefenpsychologische Therapie” und Psychoanalyse) bei Depressionen
Eine Grundlage der psychoanalytischen Behandlung der Depression ist unter anderem die These, dass der depressiven Störung ein früher Objektverlust und eine daraus entstandene narzisstische Bedürftigkeit sowie gegen sich selbst gerichtete Aggressionen zu Grunde liegen. Diese Prozesse sind den Betroffenen zumeist unbewusst. Im Rahmen der psychoanalytischen Behandlung wird versucht, diese intrapsychischen Konflikte zugänglich zu machen und eine Lösung im Sinne einer Katharsis zu erreichen.
Wichtige therapeutische Elemente sind dabei die Analyse der Übertragungs- und Gegenübertragungsphänomene.
Interpersonelle Psychotherapie bei Depressionen
Der Behandlungsansatz der Interpersonellen Psychotherapie (IPT) beruht auf dem Depressionskonzept von Klerman und Weissman. Im Rahmen der IPT werden mit den Betroffenen nach einer psychoedukativen und stützenden initialen Phase mögliche Problembereiche wie abnorme Trauerreaktionen nach dem Verlust eines nahestehenden Menschen, interpersonelle Auseinandersetzungen mit wichtigen Bezugspersonen, schwierige Rollenwechsel im privaten oder beruflichen Bereich oder interpersonelle Defizite wie z.B. Probleme, Beziehungen aufrecht zu erhalten, bearbeitet.
Cognitive Behavioral Analysis System of Psychotherapy (CBASP)
Das Cognitive Behavioral Analysis System of Psychotherapy (CBASP) nach McCullough wurde als spezielles Therapieverfahren zur Behandlung der chronischen Depressionen bzw. der Dysthymia entwickelt. Das CBASP verbindet kognitive, behaviorale und interpersonelle Therapieansätze.
McCullough postuliert, dass chronische Depressionen auf einer Kombination aus dysfunktionalen Gedanken, einem bestimmten interpersonellen Stil und ungenügenden sozialen Problemlösefähigkeiten basieren. Ein wesentliches Diagnose- und Behandlungselement stellt dabei die so genannte Situationsanalyse dar.
Literatur
Kocsis JH, Gelenberg AJ, Rothbaum BO, Klein DN, Trivedi MH, Manber R, Keller MB, Leon AC, Wisniewski SR, Arnow BA, Markowitz JC, Thase ME; REVAMP Investigators (2009). Cognitive behavioral analysis system of psychotherapy and brief supportive psychotherapy for augmentation of antidepressant nonresponse in chronic depression: the REVAMP Trial. Arch Gen Psychiatry; 66(11): 1178-88. Abstract >>
McCullough JP (2000). Treatment for Chronic Depression: Cognitive Behavioral Analysis System of Psychotherapy (CBASP). New York: Guilford. Deutsche Übersetzung: McCullough JP (Hrsg.) (2006). Behandlung der chronischen Depression: Cognitive Behavioral Analysis System of Psychotherapy - CBASP. München: Elsevier.
Schramm E, Caspar F, Berger M (2006). Spezifische Therapie für Depression - Das “Cognitive Behavioral Analysis System of Psychotherapy“ nach McCullough. Nervenarzt; 77(3): 355-371. >> Abstract
© Dr. Elze - PsychNet,, Prien am Chiemsee / Rosenheim, www.Dr-Elze.de
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