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Elektrokonvulsionstherapie (EKT)

Übersicht

Die Elektrokonvulsionstherapie (EKT), auch Elektrokrampftherapie oder Elektrokrampfbehandlung (EKB) genannt, ist ein Verfahren zur Behandlung von schweren Depressionen, Manien und schizophrenen Psychosen, insbesondere wenn diese mit schwerem Stupor bzw. Katatonie einhergehen. Sie wird vorrangig bei akut lebensbedrohlichen Symptomen eingesetzt oder wenn alle anderen Therapieversuche im Vorfeld versagt haben. Viele Patienten beurteilen im Rückblick die Elektrokonvulsionstherapie als vorteilhaft.

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Elektrokonvulsionstherapie (EKT): Indikation

Nach den Empfehlungen der Bundesärztekammer ist die ElektrokonvulsionstherapieTherapie der ersten Wahl bei

  • wahnhafter Depression, depressivem Stupor, schizoaffektiven Psychosen mit schwerer depressiver Verstimmung;
  • Major Depression mit hoher Suizidalität oder Nahrungsverweigerung;
  • akuter, lebensbedrohlicher Katatonie (perniziöser Katatonie).

Als Therapie der zweiten bzw. dritten Wahl wird sie empfohlen bei

  • therapieresistenter (pharmakoresistenter) Major Depression, wenn die Anwendung von mindestens zwei verschiedenen Antidepressiva (möglichst unterschiedlicher Wirkstoffklasse) in ausreichender Dosierung sowie die Anwendung von therapeutischem Schlafentzug ohne Erfolg blieben;
  • therapieresistenten, nicht lebensbedrohlichen Katatonien sowie anderen akut exazerbierten schizophrenen Psychosen, wenn die Behandlung mit Neuroleptika erfolglos blieb;
  • therapieresistenten Manien, wenn die Behandlung mit Neuroleptika, Lithium und Carbamazepin erfolglos war.

Als seltenere Indikationen werden therapieresistente schizophreniforme Störungen, therapieresistente schizoaffektive Störungen, therapieresistente Parkinson-Syndrome sowie das maligne neuroleptische Syndrom genannt.

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Elektrokonvulsionstherapie (EKT): Kontraindikationen

Als absolute Kontraindikationen der Elektrokonvulsionstherapie gelten ein Myokardinfarkt oder ein cerebraler Infarkt in der jüngeren Vorgeschichte (bis ca. 3 Monate vor Behandlungsbeginn), erhöhter Hirndruck, intracebrale Raumforderungen mit Ödembildung, schwere kardiopulmonale Vorerkrankungen, schwere arterielle Hypertonie sowie ein akuter Glaukomanfall.

Relative Kontraindikationen der Elektrokonvulsionstherapie sind ein cerebrales Aneurysma oder Angiom.

Höheres Lebensalter, Schwangerschaft oder die Implantation eines Herzschrittmachers gelten nach den Empfehlungen der Bundesärztekammer nicht als Kontraindikationen für die Elektrokrampftherapie.

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Elektrokonvulsionstherapie (EKT): Wirkmechanismus

Der genaue Wirkmechanismus der Elektrokonvulsionstherapie ist noch nicht in allen Einzelheiten bekannt. Die Auslösung der Krampfanfälle beeinflusst soweit bekannt unter anderem die

  • Synthese von Neurotransmittern,
  • Anzahl der Transmitterbindungsstellen und die
  • Affinität der Neurotransmitter zu den Transmitterbindungsstellen.

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Elektrokonvulsionstherapie (EKT): Durchführung

Die Elektrokonvulsionstherapie wird vorrangig im stationären Rahmen durchgeführt, da eine regelmäßige begleitende psychiatrische Behandlung erforderlich ist. Da die einzelnen EKT-Durchgänge in Narkose durchgeführt werden und begleitend die Gabe eines Muskelrelaxans erfolgt, ist auch die Anwesenheit eines Anästhesiologen erforderlich. Parallel zur Narkose erfolgen Sauerstoffgabe, EKG-Kontrolle und Pulsoximetrie.

Die Elektrokonvulsionstherapie erfolgt zumeist in einem Zyklus von 6 bis 12 EKT-Behandlungen im Abstand von ca. 2-3 Tagen. Die einzelnen EKT-Behandlungen werden als unilaterale Stimulation der nicht-dominanten Hirnhälfte durchgeführt mit dem Ziel, jeweils einen ca. 25 bis 30 Sekunden andauernden generalisierten Krampfanfall auszulösen. Falls hierdurch kein ausreichender Behandlungserfolg erreicht wird, kann nach den sechs Zyklen eine bilaterale Elektrokonvulsionstherapie durchgeführt werden. Bei schwersten Erkrankungsbildern kann die Behandlung auch gleich mit einer bilateralen Stimulation begonnen werden.

Nach der Elektrokonvulsionstherapie bzw. der Narkose sollte neben der psychiatrischen Behandlung auch eine ausreichend lange Überwachungsphase mit weiterem Monitoring der Vitalparameter erfolgen, um mögliche kardiovaskuläre Komplikationen der Narkosebehandlung zu erkennen.

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Elektrokonvulsionstherapie (EKT): Nebenwirkungen und Komplikationen

Die schwersten Komplikationen sind nicht durch die Elektrokonvulsionstherapie selbst sondern durch die für die Behandlung erforderliche Narkose zu erwarten. Dies sind insbesondere kardiovaskuläre Probleme, insbesondere bei Patienten mit kardialen Vorerkrankungen, in seltenen Fällen auch mit letalem Ausgang.

Die häufigste Nebenwirkung der Elektrokonvulsionstherapie sind Kopfschmerzen, die bei ca. einem Drittel der Behandelten auftreten. Zusätzlich kann es nach der EKT zum vorübergehenden Auftreten von retrograden und anterograden Gedächtnisstörungen kommen. Daneben können direkt im Anschluss an die Elektrokonvulsionstherapie vorübergehende leichte Störungen von Aufmerksamkeit, Konzentration, Orientierung und Kurzzeitgedächtnis auftreten.

Seltenere Nebenwirkungen sind das vorübergehende Auftreten von Übelkeit, Erbrechen sowie neuropsychologischen Störungen wie Aphasie, Apraxie und Agnosie, die sich jedoch alle selbstständig wieder zurückbilden.

Soweit bekannt, kommt es bei der entsprechend den Vorschriften durchgeführten Elektrokonvulsionstherapie nicht zum Auftreten von strukturellen Hirnschäden.

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Elektrokonvulsionstherapie (EKT): Literatur

Bajbouj M, Heuser I (2005). Antidepressive Stimulationsverfahren Vagusnervstimulation, repetitive transkranielle Magnetstimulation und Elektrokonvulsionstherapie zur Behandlung depressiver Störungen. Nervenarzt  76 (1): 28-35. >> Abstract

Bundesärztekammer (Hrsg.), Folkerts H, Remschmidt H, Saß H, Sauer H, Schäfer M, Sewing K-F (2003). Bekanntmachungen: Stellungnahme zur Elektrokrampftherapie (EKT) als psychiatrische Behandlungsmaßnahme. Deutsches Ärzteblatt 100(8): A-504-6. >> Artikel

Devanand DP, Dwork AJ, Hutchinson ER, Bolwig TG, Sackeim HA (1994). Does ECT alter brain structure? Am J Psychiatry 151(7):957-70. >> Abstract

Hasse-Sander I, Müller H, Schurig W, Kasper S, Möller HJ (1998). Auswirkungen der Elektrokrampftherapie auf die kognitiven Funktionen bei therapieresistenten Depressionen.Nervenarzt 69 (7): 609-16. >> Abstract

National Institute for Health an Clinical Excellence NICE (Hrsg) (2009). Depression - The treatment and management of depression in adults. Clinical guideline 90. London: NICE. >> Zur Onlineversion

National Institute for Health an Clinical Excellence NICE (Hrsg) (2003). Guidance on the use of electroconvulsive therapy. Technology Appraisal Guideline 59. London: NICE. >> Zur Onlineversion

Saito S. (2005). Anesthesia management for electroconvulsive therapy: hemodynamic and respiratory management. J Anesth 19(2):142-9. >> Abstract

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Andere Hirnstimulationsverfahren

Zu den weiteren Hirnstimulationsverfahren neben der Elektrokonvulsionstherapie zählen die Repetitive transkranielle Magnetstimulation (engl. transcranial magnetic stimulation), die Vagusnervstimulation (engl. vagus nerve stimulation) und die Tiefenhirn-Stimulation (engl. deep brain stimulation).

Literatur

Bajbouj M, Heuser I (2005). Antidepressive Stimulationsverfahren Vagusnervstimulation, repetitive transkranielle Magnetstimulation und Elektrokonvulsionstherapie zur Behandlung depressiver Störungen. Nervenarzt  76 (1): 28-35. >> Abstract

Schläpfer TE (2007). Hirnstimulationsverfahren bei Therapieresistenz. Nervenarzt 78 (Suppl 3): 575-84. >> Abstract

 

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Letzte Aktualisierung: Mittwoch, 16. Mai 2012

 

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