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Fibromyalgiesyndrom: Definition

ACR-Kriterien der Fibromyalgie

ACR-Kriterien der Fibromyalgie von 1990

Das American College of Rheumatology (ACR) veröffentlichte 1990 Kriterien, die für die Diagnose einer Fibromyalgie bzw. eines Fibromyalgiesyndroms empfohlen wurden:

  1. Widespread pain: Dieser wird definiert als Schmerz im Achsenskelett (d.h. HWS, BWS, LWS oder vorderer Brustkorb) PLUS Schmerz in der oberen und unteren Körperhälfte PLUS Schmerz in der rechten und linken Körperseite über eine Dauer von mindestens drei Monaten.
     
  2. Tenderness at tender point sites: Erhöhte Berührungsempfindlichkeit an mindestens 11 von 18 definierten Tenderpoints. Die Untersuchung der Tenderpoints sollte mit einem Daumendruck von ca. 4kg erfolgen. Ein Tenderpoint soll dann als positiv bewertet werden, wenn der Untersuchte zumindest milde Schmerzen bei der Untersuchung angibt.

Der “widespread pain” lag in der Untersuchung des ACR bei 97,6% der Patienten mit Fibromyalgie und bei 69,1% der Patienten der Kontrollgruppe vor. Durch die Kombination der Kriterien “widespread pain” und “tenderness at tender point sites” ergab sich in der Studie eine Sensitivität von 88,4% und eine Spezifität von  81,1%. Weitere charakteristische Symptome der Fibromyalgie-Patienten waren u.a. Schwächegefühl, Schlafstörungen und Morgensteifheit (vgl. Wolfe 1990).

Diese Diagnosekriterien wurden in den Folgejahren vielfach übernommen, es zeigte sich jedoch die Problematik, dass z.B. das Ergebnis der Untersuchung der Tenderpoints sehr von den Erfahrungen des Untersuchers abhängig ist. In einer aktuellen Studie fanden Wolfe et al. (Wolfe 2010), dass ca. 25% der Patienten, bei denen nach dem klinischen Eindruck eine Fibromyalgie besteht, nicht die ACR-Kriterien von 1990 erfüllten.

ACR-Kriterien der Fibromyalgie von 2010

Das American College of Rheumatology empfiehlt deswegen in seinen aktuellen (zur Zeit noch vorläufigen) diagnostischen Kriterien der Fibromyalgie einen anderen Ansatz: Die Untersuchung der Tenderpoints wird nicht mehr empfohlen, stattdessen stützt sich die Diagnosestellung ausschließlich auf die anamnestischen Angaben des Patienten. Die Kriterien im Einzelnen:

Widespread pain index (WPI)

Im Widespread pain index (WPI) wird bestimmt, in welcher der folgenden Körperregionen der Patient in den vergangenen Wochen Schmerzen hatte:
Schultergürtel links/rechts, Oberarm links/rechts, Unterarm links/rechts, Hüfte u. Gesäß links/rechts, Oberschenkel links/rechts, Unterschenkel u. Fuß links/rechts, Kiefer links/rechts, Brustkorb, Bauch, oberer Rücken, unterer Rücken, Nacken.
Für jede positive Schmerzlokalisation wird ein Punkt vergeben, die maximale Anzahl beträgt 19.

Symptom severity scale (SS)

Die Symptom severity scale erfasst die drei Bereiche Schwächegefühl, wenig erholsamer Schlaf und kognitive Symptome, sowie zusätzlich das generelle Auftreten von somatischen Symptomen. Je nach Ausprägungsgrad werden Punkte von 0 bis 3 vergeben, die maximale Anzahl ist 12.

Ein Patient erfüllt dann die diagnostischen Kriterien für eine Fibromyalgie, wenn die folgenden drei Bedingungen erfüllt sind:

  1. Widespread pain index  (WPI) mindestens 7 und Symptom severity scale mindestens 5 ODER WPI 3 bis 6 und Symptom severity scale mindestens 9.
     
  2. Die Symptome bestehen so oder ähnlich seit mindestens drei Monaten.
     
  3. Der Patient hat keine andere Krankheit, welche die Schmerzen erklären würde.

(vgl. Wolfe 2010).

 

Diagnose der Fibromyalgie nach ICD-10

In der aktuellen Version der International Classification of Diseases ICD-10 wird die Fibromyalgie in der Subkategorie M79.7 (Fibromyalgie - Fibromyositis, Fibrositis, Juvenile Fibromyalgie, Myofibrositis) geführt. Der aktuell eher empfohlene Terminus “Fibromyalgiesyndrom” wurde im ICD-10 noch nicht übernommen.

 

Literatur (Fibromyalgiesyndrom: Definition):

Weltgesundheitsorganisation; Dilling H, Mombour W, Schmidt MH, Schulte-Markwort E (Hrsg) (2011). Internationale Klassifikation psychischer Störungen. ICD-10 Kapitel V (F). Diagnostische Kriterien für Forschung und Praxis. 5. Auflage. Bern: Huber.

Mehr zum Buch >>

Weltgesundheitsorganisation; Dilling H, Mombour W, Schmidt MH (Hrsg) (2009). Internationale Klassifikation psychischer Störungen. ICD-10 Kapitel V (F). Klinisch-diagnostische Leitlinien. 7. Auflage. Bern: Huber.

Mehr zum Buch >>

Wolfe F, Clauw DJ, Fitzcharles MA, Goldenberg DL et al. (2010). The American College of Rheumatology Preliminary Diagnostic Criteria for Fibromyalgia and Measurement of Symptom Severity. Arthritis Care & Research 62(5): 600-610. Zum Artikel >>

Wolfe F, Smythe HA, Yunus MB, Bennett RM et al. (1990). The American College of Rheumatology 1990 Criteria for the Classification of Fibromyalgia. Arthritis and Rheumatism 33(2): 160-172. Zum Artikel >>

 

Weblinks (Fibromyalgiesyndrom: Definition):

AWMF-Leitlinie “Definition, Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie des Fibromyalgiesyndroms”

© Dr. Elze - PsychNet, Prien am Chiemsee / Rosenheim, www.Dr-Elze.de

 

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Letzte Aktualisierung: Mittwoch, 16. Mai 2012

 

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