Operante Therapieverfahren
Übersicht
Das Ziel der operanten Therapieverfahren ist vorrangig, über eine Kontrolle und Veränderung der Verhaltenskonsequenzen eine Verhaltensmodifikation zu erreichen.
Im Rahmen der operanten Verfahren werden verschiedene Techniken eingesetzt wie z.B.
- Positive Verstärkung, - Negative Verstärkung, - Löschung, - Stimuluskontrolle, - Ausformung (engl. Shaping), - Verkettung (engl. Chaining), - Soufflieren (engl. Prompting), - Verblassen (engl. Fading).
Darüber hinaus gibt es spezielle operanten Verfahren wie z.B. das Token-System (auch Token Economy genannt), das Response-Cost-System oder die Time-Out-Technik.
Die operanten Verfahren können zum Beispiel über die Vereinbarung von so genannten Kontingenzverträgen in ein therapeutisches Gesamtkonzept eingebunden werden.
Positive Verstärkung
Als Positive Verstärkung bezeichnet man jedes (therapeutische) Verhalten, das vom jeweiligen Gegenüber als Belohnung oder Bekräftigung wahrgenommen wird. Im therapeutischen Setting muss dabei darauf geachtet werden, dass die Verstärkung kontingent erfolgt, das also für die Betroffenen ein Zusammenhang zwischen ihrem Verhalten und der Verstärkung erkennbar ist.
Es werden verschieden Verstärker und Verstärkungsmethoden unterschieden:
Primäre Verstärker
Unter primären Verstärkern versteht man die Erfüllung von Grundbedürfnissen, bei denen vorher ein Defizit geherrscht hat, z.B. Hunger, Durst etc. Die primären Verstärker bewirken beim Betroffenen einen positiven Effekt (z.B. Sättigung), ohne dass dafür spezielle Lernprozesse erforderlich waren.
Sekundäre Verstärker
Sekundäre Verstärker wirken im Gegensatz zu den primären Verstärkern erst nach einem Lernprozess. So kann z.B. ein „Lob“ erst dann als sekundärer Verstärker wirken, wenn der Betroffene gelernt hat, dass er das Lob annehmen darf und dass ein Lob etwas Wertvolles ist.
Selbstverstärkung
Unter Selbstverstärkung oder Selbstbekräftigung versteht man die kontingente Verstärkung des eigenen Verhaltens durch Selbstinstruktionen o.ä. Die Selbstverstärkung besteht zumeist aus einen Ineinander von operativen und kognitiven Therapieverfahren.
Soziale Verstärkung
Bei der sozialen Verstärkung erfolgt die Verstärkung nicht durch den Betroffenen selbst oder den Therapeuten sondern durch das soziale Umfeld, z.B. durch Bekannte oder Familienmitglieder.
Intermittierende Verstärkung
Eine Sonderform stellt die intermittierende Verstärkung dar. Bei dieser erfolgt nicht auf jedes erwünschte Verhalten eine Verstärkung. Diese Methode ist besonders löschungsresistent.
Die wichtige Bedeutung des Prinzips der positiven Verstärkung für das Lernen beschrieb erstmals der US-amerikanischen Psychologen Edward Lee Thorndike in seiner 1898 veröffentlichten Lerntheorie.
Negative Verstärkung
Bei der Negativen Verstärkung erfolgt die „Belohnung“ des Betroffenen durch den Wegfall negativer Konsequenzen.
Löschung
Unter Löschung versteht man den konsequenten Ersatz von positiven oder negativen Verstärkung durch neutrales Verhalten, z.B. indem auf eine Selbstverletzung nicht mit besorgter Aufmerksamkeit oder Bestrafung reagiert wird, sondern mit möglichst neutralem Verhalten.
Stimuluskontrolle
Bei der Stimuluskontrolle werden die Stimulusbedingungen, unter denen ein bestimmtes problematisches Verhalten auftritt, immer weiter eingeschränkt. Parallel werden die Bedingungen, unter den das erwünschte Verhalten auftritt, konkretisiert und verstärkt.
Ausformung (Shaping)
Unter Ausformung (engl. Shaping) versteht man den Aufbau von bisher beim Individuum nicht oder nur unzureichend vorhandenen, erwünschten Verhaltensweisen durch positive Verstärkung. Bei der Ausformung erfolgt die Verstärkung bereits bei den ersten Teilschritten des erwünschten Verhaltens.
Verkettung (Chaining)
Die Verkettung (engl. Chaining) ähnelt der „Ausformung“, die Verstärkung erfolgt bei der Verkettung aber erst, wenn das erwünschte Verhalten komplett bis zum Ende ausgeführt wurde.
Soufflieren (Prompting)
Das Soufflieren (engl. Prompting) ist eine direkte Hilfestellung für den Betroffenen, um ihm das Erlernen von erwünschten Verhaltensweisen zu vereinfachen (z.B. durch verbale Hilfen in Rollenspielen o.ä.).
Verblassen (Fading)
Beim Verblassen (engl. Fading) werden nach und nach mögliche Hilfsstimuli reduziert, bis das Individuum nur noch auf die Reize selbst reagiert. Das Fading ist zum Beispiel vor dem Ende einer stationären Behandlung wichtig, um den Betroffenen den Übergang in den häuslichen Alltag zu ermöglichen.
Token-Systeme (Token Economy)
Das Token-System (auch Token Economy genannt) gehört zu den operanten Therapieverfahren. Beim Token-System erarbeiten die Betroffenen mit ihren Therapeuten ein Belohnungssystem, das den Betroffenen helfen soll, ein erwünschtes Verhalten immer häufiger durchzuführen.
Beim Token-System erhält der Betroffene wenn er ein erwünschtes Verhalten zeigt einen sekundären Verstärker, das sogenannte Token (engl. für „Münze“, im therapeutischen Sinne eine „Belohnung“ z.B. in Form eines gewünschten Gegenstandes oder einer gewünschten Aktivität).
Das Token-System wird insbesondere dann eingesetzt, wenn der primäre Verstärker für das erwünschte Verhalten fehlt oder erst in ferner Zukunft liegt (wie z.B. die „bessere Gesundheit“ durch den Verzicht auf das Rauchen). Das Token wird somit zum Tauschmittel für den abstrakten primären Verstärker.
Neben der Raucherentwöhnung werden Token-Systeme zum Beispiel in der Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Syndrom (ADHS) eingesetzt.
Response-Cost-Systeme
Das Response-Cost-System zählt zu den operanten Therapieverfahren. Beim Response-Cost-System vereinbaren die Patienten mit den Therapeuten einen positiven Verstärker (also z.B. eine Belohnung), der beim Auftreten des unerwünschten Verhaltens entzogen wird.
Time-Out-Technik
Die Time-Out-Technik wird insbesondere in der Behandlung von Kindern und Jugendlichen eingesetzt. Sie gehört ebenfalls zu den operanten Therapieverfahren. Bei der Time-Out-Technik werden den Betroffenen bei einem unerwünschtes Verhalten die möglichen Verstärker für ihr Fehlverhalten entzogen, wie z.B. Blickkontakte oder „Aufmunterndes Zulächeln“ andere Gruppenmitglieder. Die Betroffenen werden dafür für einen bestimmten Zeitraum, meist einige Minuten, aus dem jeweiligen Umfeld herausgenommen und in eine möglichst reizarme Umgebung gebracht. Dabei ist wichtig, dass die Betroffenen das Time-Out nicht als „Bestrafung“ verstehen, sondern als Zeit, die ihnen die Möglichkeit zur Besinnung über ihr Fehlverhalten geben soll.
Die Time-Out-Technik wird z.B. in der Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit aggressivem Verhalten oder mit Aufmerksamkeits-Hyperaktivitäts-Syndrom (ADHS) angewandt. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass das Time-Out nur in einem angstfreien Rahmen eingesetzt wird. Insbesondere bei schweren psychischen Erkrankungen wie emotional instabiler Persönlichkeit („Borderline-Störung“), schwerer Depression, Angststörungen, Selbstverletzungs- oder Suizidgefahr sollte die Time-Out-Technik nicht oder nur unter sehr kritischer Prüfung eingesetzt werden.
Kontingenzverträge
Eine Möglichkeit, die oben genannten operanten Verfahren in die Therapie einzubinden, besteht in der Vereinbarung von so genannten Kontingenzverträgen. Dabei vereinbaren der Therapeut und der Betroffene ein bestimmtes Zielverhalten (z.B. das Erreichen eines bestimmten Körpergewichtes) sowie entsprechende Verstärker bzw. Konsequenzen für das Erreichen oder Nicht-Erreichen des Zieles.
Die Kontingenzverträge sollen es den Betroffenen ermöglichen, eigenständig auch außerhalb der Therapiesitzungen an ihrer Zielerreichung zu arbeiten. Dabei ist jedoch wichtig, dass die Ziele und die Konsequenzen möglichst konkret formuliert werden, und dass die Vereinbarungen nach Möglichkeit schriftlich festgehalten werden.
© Dr. Elze - PsychNet, Prien am Chiemsee / Rosenheim, www.Dr-Elze.de
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