Panikstörung: Therapie
Kognitiv-behaviorale Therapie („Kognitive Verhaltenstherapie“)
Psychoedukation
Zu Beginn der Behandlung ist es wichtig, den Betroffenen ein adäquates Krankheitsmodell zu vermitteln und sie u.a. auch über die Zusammenhänge zwischen körperlichen Symptomen, kognitiver Bewertung und Angsterleben sowie über die Therapiemöglichkeiten der Panikstörung aufzuklären.
Expositionstherapie
Bei der Panikstörung ist die Exposition mit Reaktionsmanagement das Mittel der Wahl. In den Fällen, in denen keine äußeren Situationen als Angstauslöser gefunden werden können, kann es sinnvoll sein, körperliche Symptome wie Schwindel, Schwitzen und Herzrasen durch spezielle Übungen zu provozieren, um dann die daraufhin auftretenden Ängste exponieren zu können. Weitere Informationen zum Thema Expositionstherapie finden Sie hier.
Reattribution der körperlichen Symptome
Darüber hinaus ist es hilfreich, wenn die Betroffen zusammen mit ihren Therapeuten eine sogenannte Reattribution der körperlichen Symptome erarbeiten indem sie z.B. die gedankliche Interpretation der angstbesetzten Körpersymptome kritisch hinterfragen und alternative Erklärungsmodelle für die körperlichen Symptome entwickeln.
Pharmakotherapie
Zur medikamentösen Behandlung der Panikstörung können z.B. die Selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) Citalopram, Escitalopram und Paroxetin, der Selektive Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SSNRI) Venlafaxin, die trizyklische Antidepressiva Imipramin und Clomipramin oder der reversible MAO-Hemmer Moclobemid eingesetzt werden. Die Patienten sollten vor Behandlungsbeginn unbedingt darüber informiert werden, dass die Wirkung der Medikamente erst nach ca. 2 bis 6 Wochen einsetzt, da sonst vorzeitige Therapieabbrüche drohen.
Trizyklische Antidepressiva
Das trizyklische Antidepressivum Imipramin, bei dem 1962 als erstem Medikament die Wirksamkeit bei Panikattacken nachgewiesen wurde, wird auch weiterhin in der Behandlung der Panikstörung eingesetzt. Da Imipramin insbesondere zu Behandlungsbeginn unerwünschte Wirkungen wie Unruhe, Ängste, Schlafstörungen etc. hervorrufen kann, sollte die Medikation einschleichend erfolgen. Empfohlen wird z.B. ein Beginn mit einer Tagesdosis von 10mg und dann Steigerung in 10- oder 25mg-Schritten bis auf eine Dosis von ca. 100-150mg/d. Als weitere Nebenwirkungen können u.a. anticholinerge Symptome wie Mundtrockenheit, Schwindel, Obstipation oder Miktionsstörungen auftreten.
Auch das Absetzen des Imipramins sollte schrittweise über mehrere Wochen erfolgen, um mögliche Absetzsymptome zu vermeiden. Die Behandlungsdauer sollte je nach Verträglichkeit und Symptomatik mindestens ein halbes bis eineinhalb Jahre betragen, um Rückfälle durch zu frühes Absetzen zu vermeiden.
Alternativ kann auch das trizyklische Antidepressivum Clomipramin zur Behandlung der Panikstörung eingesetzt werden.
Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI)
Als Alternative zur Behandlung mit einem trizyklischen Antidepressivum können Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) eingesetzt werden. In Deutschland sind Citalopram, Escitalopram oder Paroxetin für die Indikation Panikstörung zugelassen. Da letztere insgesamt weniger Nebenwirkungen zeigen als die Trizyklischen Antidepressiva besteht häufig eine bessere Compliance in der Medikamenteneinnahme. Dabei muss jedoch beachtet werden, dass die SSRI insbesondere zu Behandlungsbeginn auch Unruhe und Erregungszustände hervorrufen können, weswegen eine einschleichende Dosierung erfolgen sollte (vgl. Pollack 2007).
Selektive Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SSNRI)
Der Selektive Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SSNRI) Venlafaxin kann ebenfalls zur Behandlung der Panikstörung eingesetzt werden (vgl. Pollack 2007).
Benzodiazepine
Viele Patienten erhalten am Beginn ihrer Erkrankung zunächst Benzodiazepine „zur Beruhigung“ verschrieben. Benzodiazepine bewirken zwar in der einzelnen Panikattacke eine kurzfristige Besserung, langfristig bestehen jedoch diverse Probleme wie Gewöhnungs- und Abhängigkeitseffekte. Viele Patienten entwickeln aufgrund der schnellen Wirkung der Benzodiazepine im Verlauf eine psychische Abhängigkeit und trauen sich nur noch aus dem Haus, wenn sie „ihre Tablette“ dabei haben. Dies läuft jedoch den psychotherapeutischen Ansätzen, welche die Selbstwirksamkeit der Patienten steigern wollen, konträr. Der Einsatz von Benzodiazepinen sollte deswegen möglichst vermieden werden oder - wenn überhaupt - möglichst nur wenige Wochen andauern.
Literatur (Panikstörung: Pharmakotherapie):
Pollack M, Mangano R, Entsuah R, Tzanis E, Simon NM, Zhang Y (2007). A randomized controlled trial of venlafaxine ER and paroxetine in the treatment of outpatients with panic disorder. Psychopharmacology 194(2): 233-42. Abstract >>
© Dr. Elze - PsychNet, Prien am Chiemsee / Rosenheim, www.Dr-Elze.de
Fachbücher zum Thema Panikstörung
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