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Posttraumatische Belastungsstörung PTBS / PTSD:
Therapie

Grundlagen

Die Traumatherapie will den Betroffenen helfen, ihre traumatischen Lebensereignisse zu bewältigen, um ihnen wieder ein ausgeglichenes Leben zu ermöglichen. Die komplexe Symptomatik der PTSD erfordert zumeist ein integratives Behandlungskonzept mit Elementen aus der  psychodynamischen und kognitiv-verhaltenstherapeutischen Therapie verbunden mit gestaltungstherapeutischen und/oder körpertherapeutischen Elementen.

Sehr wichtig ist, dass die Betroffenen einen vertrauensvollen, geschützten Rahmen für ihre Therapie finden, der es ihnen ermöglicht, über ihre belastenden Erlebnisse zu reden, und in dem sie sich sicher aufgehoben fühlen.

Bevor die eigentliche Therapie der PTSD beginnen kann, müssen zunächst wichtige Fragen geklärt sein. Vorrangig muss mit der/dem Betroffenen erarbeitet werden, ob sie/er aktuell ausreichend stabil genug für eine Bearbeitung der traumatischen Erlebnisse ist (zu der auch eine Konfrontation mit den traumatisierenden Lebensereignissen gehört), oder ob zunächst eine ausreichend lange Stabilisierungsphase stattfinden sollte.

In der Stabilisierungsphase erarbeiten die Betroffenen zusammen mit ihren Therapeutinnen und Therapeuten sowie eventuell auch zusammen mit anderen Betroffenen Techniken, die ihnen helfen können, sich auch alleine wieder aus den Erinnerungen an das Trauma und den damit verbundenen körperlichen und psychischen Beeinflussungserlebnissen zu lösen.

Prinzipiell sollten alle Betroffenen zumindest eine Stabilisierungstechnik (wie z.B. die “Sichere-Ort-Übung”) gut beherrschen und alleine einsetzen können, bevor sie mit der eigentlichen Aufarbeitung des Traumas beginnen.

Eine weitere wichtige Frage zu Beginn der Therapie ist, ob der/die Betroffene aktuell in einem ausreichend beschütztem Umfeld lebt und weitere Traumatisierungen ausgeschlossen sind. Bei Traumatisierungen, die durch einen oder mehrere Täter ausgelöst wurden, ist zudem wichtig zu klären, ob das Opfer ausreichend vor dem Täter geschützt ist und ob weiterhin Kontakt zu dem Täter besteht. Je nach Situation kann dann auch zunächst ein Schutz vor weiteren Übergriffen das primäre Ziel in der Therapie sein.

Posttraumatische Belastungsstörungen können oft auch mit körperlichen Symptomen wie z.B. chronischen Schmerzen oder Untergewicht bei Essstörungen einhergehen. Vor der eigentlichen Arbeit an dem Trauma muss mit den Betroffenen geklärt werden, ob sie aktuell ausreichend körperlich stabil sind um die traumatisierenden Erlebnisse zu bearbeiten. Langfristiges Ziel der PTSD-Behandlung ist zwar die Besserung der körperlichen Beschwerden, kurzfristig kann es aber bei Erinnerungen an die traumatisierenden Lebensereignisse zu einer Verstärkung der körperlichen Symptome kommen. Die Betroffenen sollten sich darüber bewusst sein, auch darüber, dass dies nur eine vorübergehende Verschlechterung ist die für den langfristigen Heilerfolg oft unumgänglich ist.
 

Psychoedukation

Parallel zur Klärung der oben angesprochenen Fragen und der Einrichtung einer ausreichend sicheren Umgebung mit Schutz vor weiteren Traumatisierungen, beginnt die Therapie zumeist mit einer Phase der Psychoedukation. In dieser erarbeiten die Therapeutinnen und Therapeuten zusammen mit den Betroffenen die Ursachen und Auswirkungen der PTSD, klären Fragen zu Therapieablauf und Therapiezielen usw. Diese Therapiephase ist wichtig, da sich viele Betroffene durch ihre Symptome „fremd“ oder „eigenartig“, manchmal auch „unwert“,  „unfähig“ o.ä. erleben. Auch machen sich viele Betroffene selbst Vorwürfe, sie seien mit „Schuld“ an den traumatisierenden Ereignissen. Für die Betroffenen ist wichtig zu erfahren, dass diese Gefühle und Gedanken ganz typisch für Menschen mit einer PTSD sind, und dass sie keineswegs durch irgendeine persönliche Schwäche hervorgerufen werden sondern vielmehr von den meisten Betroffenen ähnlich erlebt werden.
 

Stabilisierung

Wie oben beschrieben, steht am Beginn der PTSD-Behandlung zumeist eine ausreichende Stabilisierung der Betroffenen. Diese beinhaltet zum Beispiel das Erlernen von bestimmten sogenannten Imaginativen Verfahren bzw. Distanzierungstechniken (z.B. die Übungen „Sicherer Ort“ oder die „Baumübung“). Hilfreich kann auch das Erlernen von bestimmten Atemtechniken wie z.B. der „Bauchatmung“ sein. Diese Übungen sollten möglichst unter Anleitung durch eine erfahrene Therapeutin bzw. einen Therapeuten erlernt werden und dann von den Betroffenen regelmäßig eigenständig weitergeübt werden. Nach Möglichkeit sollte mit der eigentlichen Traumabearbeitung erst begonnen werden, wenn die Betroffenen mindestens eine Stabilisierungstechnik eigenständig effektiv einsetzen können.
 

Traumabearbeitung

Das Ziel der Traumabearbeitung im eigentlichen Sinne ist die Bearbeitung des traumatisierenden Erlebnisse und die Integration der Traumata in die Lebensgeschichte. Dies erfordert von den Betroffenen eine dosierte Rekonfrontation mit dem traumatisierenden Ereignis welche sie gemeinsam mit einer erfahrenen Therapeutin bzw. Therapeuten in einem ausreichend beschütztem Rahmen durchführen sollten.

Voraussetzungen für die Traumabearbeitung sind wie oben schon beschrieben eine ausreichende Stabilität der Betroffenen sowie ein sicheres soziales Umfeld ohne die Gefahr einer weiteren Traumatisierung.

Zur Traumabearbeitung werden verschiedene psychotherapeutische Verfahren eingesetzt (Kognitiv-behaviorale Therapie, Psychodynamische Therapie, Eye Movement Desensitization and Reprocessing - EMDR, Imagery Rescripting and Reprocessing - IRRT, Testimony- oder Narrative Exposition Therapy – NET, Psychodynamisch Imaginative Traumatherapie (PITT) nach Luise Reddemann). Ergänzend kann es für die Betroffenen oft hilfreich sein, auch an einer stabilisierenden Körpertherapie und/oder Gestaltungstherapie teilzunehmen.

Eine unkontrollierte Reizüberflutung sollte aber auf jeden Fall vermieden werden.
 

Trauer

Die Betroffenen haben durch die traumatisierenden Lebensereignisse und die PTSD-Symptomatik zumeist erhebliche „Verluste“ in ihrem Leben erleiden müssen (z.B. Verlust von Sicherheit, behüteter Kindheit, Lebensfreude uvm.). Ähnlich wie bei dem Verlust eines geliebten Menschen ist auch hier ein ausreichendes (be-)trauern wichtig, um schließlich eine Neuorientierung beginnen zu können.
 

Neuorientierung

Nachdem die traumatisierenden Erlebnisse und ihre Folgen die Betroffenen oft schon viele Jahre begleitet haben, kann es gar nicht so einfach sein, eine Neuorientierung für das Selbstbild, das soziale Umfeld, den weiteren Lebensweg usw. zu finden. Diese ist aber wichtig, da sie den Betroffenen ein zunehmendes Maß an Selbstwirksamkeit und Lebensqualität ermöglicht. Auch sollten möglichst konkrete Zukunftsperspektiven entwickelt werden, um das Gefühl der inneren Leere und der Nicht-Zugehörigkeit abzuwenden.
 

Einbeziehung von Angehörigen und externen Unterstützungsmöglichkeiten

Je nach sozialer Situation kann es wichtig und hilfreich sein, bestimmte Angehörige in die Traumatherapie mit einzubeziehen. Daneben kann die weitere Unterstützung durch Opferhilfsorganisationen wie den Weissen Ring oder durch Selbsthilfegruppen hilfreich sein. Auch sollte überlegt werden, ob die Betroffenen zum Beispiel Leistungen nach dem Opferschutzgesetz oder Rehabilitationsleistungen in Anspruch nehmen können.
 

Medikation

Unterstützend können - falls erforderlich und falls die Betroffenen dafür ausreichend motiviert sind - Psychopharmaka wie z.B. die sogenannten Selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) eingesetzt werden. Dabei ist jedoch insbesondere die Suizidgefährdung zu klären und im Therapieverlauf zu überwachen. In Deutschland ist das SSRI Paroxetin für die Indikation PTSD zugelassen. Positive Effekte werden u.a. auch von dem SSRI Sertralin sowie von dem NaSSA Mirtazapin und dem SSNRI Venlafaxin berichtet. Die Wirkung tritt erst nach ca. 6-8 Wochen ein. Dies ist ein wichtiger Fakt, über den die Betroffenen informiert werden müssen, um vorzeitige Therapieabbrüche wegen angenommener „Wirkungslosigkeit“ zu verhindern.

„Beruhigungsmittel“ wir z.B. Benzodiazepine sollten möglichst vermieden werden, um eine Suchtgefahr auszuschließen.

Die Medikation sollte, wie oben genannt, nur unterstützend im Rahmen eines therapeutischen Gesamtkonzepts eingesetzt werden, da die alleinige medikamentöse Behandlung zumeist keinen ausreichenden langfristigen Erfolg zeigt.
 

© Dr. Elze - PsychNet, Prien am Chiemsee / Rosenheim, www.Dr-Elze.de

 

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Letzte Aktualisierung: Mittwoch, 16. Mai 2012

 

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