Soziale Phobie: Therapie
Übersicht
In der Therapie der Sozialen Phobie wird unter anderem versucht, die Ursachen für die Ängste zu ergründen und den Betroffenen wieder Selbstbewusstsein zu vermitteln. Ziele sind u.a., einen verbesserten Umgang mit den Ängste zu vermitteln und die Selbstwirksamkeit der Betroffenen wieder zu steigern. Bei der Sozialen Phobie können neben einer Gesprächspsychotherapie zusätzlich eine sogenannte Expositionsbehandlung sowie ein Training der sozialen Kompetenzen durchgeführt werden.
Gegebenenfalls kann es vorübergehend notwendig sein, dass die Betroffenen Medikamente gegen ihre Ängste einnehmen. Diese sollten jedoch eher unterstützend eingesetzt werden und eine Psychotherapie nicht ersetzen.
Kognitiv-behaviorale Therapie („Kognitive Verhaltenstherapie“)
Psychoedukation
Zu Beginn der Behandlung ist es wichtig, dass die Betroffenen zusammen mit ihren Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten ein adäquates Krankheitsmodell erarbeiten, dass sie u.a. über die Verstärkerfaktoren für ihre Ängste wie z.B. Selbstabwertung und Vermeidungsverhalten sowie über die Therapiemöglichkeiten aufklärt.
Expositionstherapie
Die Expositionstherapie, auch Konfrontationstherapie genannt, ist eine sehr wirksame Behandlungsmethode in der Therapie der Sozialen Phobie. Die Betroffenen erarbeiten bei dieser Behandlungsmethode zunächst zusammen mit ihren Therapeuten, welche Situationen die Ängste auslösen und welches Vermeidungsverhalten eventuell eingesetzt wird. Nach einer ausführlichen Vorbereitungsphase, in der z.B. Übungen wie die Hyperventilation durchgeführt werden, können die Betroffenen in den Expositionen - unterstützt durch ihre Therapeuten - lernen, wie sie die angstbesetzten Situationen wieder aufsuchen können. Im weiteren Verlauf erlernen die Betroffenen, wie sie auch eigenständig ohne Begleitung des Therapeuten Expositionen wirksam durchführen können. Hierdurch können sie ihre Selbstwirksamkeit wieder erheblich verbessern und ihr Selbstwertgefühl wesentlich steigern.
Im Vergleich zur reinen Gesprächstherapie ist die Expositionstherapie ein wirksameres, jedoch auch sehr aufwendiges Therapieverfahren, das möglichst nur von Therapeuten mit großen Erfahrungen in der Angsttherapie eingesetzt werden sollte.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, das Expositionstraining durchzuführen, die sich zumeist nur in kleinen Details unterscheiden. Eine allgemein anerkannte und sehr erfolgreich eingesetzte Technik ist die Vorgehensweise nach Heimberg:
Vorgehensweise nach Heimberg:
- Zunächst wählen die Therapeuten zusammen mit den Betroffenen eine geeignete Übungssituation aus.
- Dann werden alle Gedanken (Befürchtungen) und Gefühle des Übenden (nach dem ABC-Modell von Ellis) gesammelt.
- Die belastenden Gedanken werden genau hinterfragt und auf ihren Realitätsgehalt überprüft. Zusätzlich werden realistischere, hilfreiche Gedanken erarbeitet.
- Schließlich wird ein konkretes Übungsziel festgelegt (z.B. 15 Minuten vor einer Gruppe vorlesen).
- Es folgt eine Angsteinschätzung durch den Übenden (auf einer Skala von 0 – 100) vor der Übungssituation. In der Übung erfolgt zusätzlich die jeweilige Einschätzung nach jeder Minute. Die Übungsdauer sollte mindestens 10 Minuten betragen.
- Nach der Übung sollte der Übende Rückmeldungen von seinen „Zuhörern“ bzw. anderen Übungsteilnehmern erhalten.
Weitere Informationen zur Expositionstherapie finden Sie hier.
Kognitives Umstrukturieren
Neben der Expositionstherapie ist es wichtig, dass die Betroffenen Strategien zum Unterbrechen ihrer belastenden Gedanken kennen lernen und erfahren, wie sie diese Gedanken in hilfreiche Kognitionen verändern können. Hierzu gibt es verschiedene Techniken, wie z.B. das sogenannte kognitive Umstrukturieren, die im Rahmen der Therapie erarbeitet werden können.
Gruppentherapie
Die oben genannten Therapie können alle als Einzeltherapien durchgeführt werden. Gerade in der Behandlung der Sozialen Phobie können aber auch ergänzende Gruppentherapien sehr erfolgreich sein. Diese sind für die Betroffenen zu Beginn meist sehr anstrengend, da die Gruppensituation natürlich gerade für Menschen mit sozialen Ängsten sehr unangenehm sein kann. Viele Betroffene fühlen sich aber im Therapieverlauf gerade durch die Gruppentherapien sehr entlastet, da sie in der Gruppe Menschen mit ähnlichen Problemen kennen lernen und sie sich mit ihren Ängsten nicht mehr allein(gelassen) fühlen müssen. Das gegenseitige Verständnis in der Gruppe, die Rückmeldungen durch die anderen Gruppenmitglieder und das gemeinsame Üben können sehr wertvolle und hilfreiche Erfahrungen sein. Gerade die Durchführung von Expositionen und von so genannten Shame Attacks (Auffallübungen nach dem Motto “Wenn ich das kann, kann ich alles andere auch...!”) kann in der Gruppe trotz aller Anstrengung durchaus auch mit Spaß verbunden sein.
Training sozialer Kompetenzen
Viele Betroffene haben neben den Ängsten auch große Probleme, sich in sozialen Situationen durchzusetzen, zu ihrem guten Recht zu kommen, Kritik zu äußern und zu empfangen, “Nein” zu sagen und so weiter. In diesem Fall kann ein Training der sozialen Kompetenzen sehr hilfreich sein, in dem die Betroffene genau diese Fertigkeiten (wieder) erlernen und üben können. Das soziale Kompetenztraining sollte möglichst im Rahmen von Gruppenangeboten stattfinden, da die Betroffenen ja gerade ihren Umgang mit anderen Menschen verändern wollen - was letztendlich natürlich nur im Kontakt zu anderen Personen wirklich nachhaltig erlernbar ist.
Pharmakotherapie
Die medikamentöse Behandlung der Sozialen Phobie erfolgt wenn erforderlich vorrangig mit den so genannten Selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI) oder Selektiven Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmern (SSNRI). In Deutschland sind z.B. Escitalopram, Paroxetin und Venlafaxin zur Behandlung der Sozialen Phobie zugelassen. Daneben sind der MAO-Hemmer Moclobemid sowie die Antikonvulsiva Gabapentin und Pregabalin in der Behandlung der Sozialen Phobie wirksam. Aufgrund des günstigeren Nebenwirkungsprofils werden jedoch die SSRI und SSNRI zumeist bevorzugt eingesetzt.
© Dr. Elze - PsychNet, Prien am Chiemsee / Rosenheim, www.Dr-Elze.de
Fachbücher zum Thema Soziale Phobie
Ratgeber für Patienten
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