Spezifische Phobien: Diagnose nach ICD-10
ICD-10-GM
Die Internationale Klassifikation der Krankheiten (International Classification of Diseases - ICD-10) definiert spezifische Phobien (ICD-10 F40.2) als Ängste, die auf eng umschriebene Situationen wie z.B. die Nähe von bestimmten Tieren, Höhen, Dunkelheit, Fliegen, geschlossene Räume, Urinieren oder Defäkieren auf öffentlichen Toiletten, Genuss bestimmter Speisen, Zahnarztbesuch oder auf den Anblick von Blut oder Verletzungen beschränkt sind, bezeichnet. Die auslösende Situation kann - obwohl sie streng begrenzt ist - bei den Betroffenen Panikzustände wie bei der Agoraphobie oder der sozialen Phobie hervorrufen.
ICD-10-Forschungskriterien
Nach den ICD-10-Forschungskriterien wird eine Spezifische (isolierte) Phobie (F40.2) diagnostiziert, wenn:
- die Betroffenen deutliche Furcht vor einem Objekt oder einer bestimmten Situation erleben und/oder eine deutliche Vermeidung solcher Objekte oder Situationen zeigen. Ausgenommen sind dabei Situationen die als Agoraphobie oder Soziale Phobie diagnostiziert werden.
- die Betroffenen zu mindestens einem Zeitpunkt seit Beginn der Erkrankung gleichzeitig unter mindestens zwei der unten genannten Symptome gelitten haben (wobei mindestens ein Symptom von 1-4 vorhanden gewesen sein muss):
- Vegetative Symptome:
1. Palpitationen, Herzklopfen, erhöhte Herzfrequenz; 2. Schweißausbrüche; 3. Fein- oder grobschlägiger Tremor; 4. Mundtrockenheit (nicht als Folge von Medikamenten o. Exsikkose).
- Symptome in Thorax oder Abdomen:
5. Atembeschwerden; 6. Beklemmungsgefühl; 7. Thoraxschmerzen oder -missempfindungen; 8. Nausea oder abdominelle Missempfindungen.
- Psychische Symptome:
9. Gefühl von Schwindel, Unsicherheit, Schwäche oder Benommenheit; 10. Derealisation, d.h. Gefühl, dass Objekte unwirklich sind, oder Depersonalisation, d.h. Gefühl, man selbst sei „nicht wirklich hier“.
- (Symptom Nummer 11-12 entfallen bei den spezifischen Phobien).
- Allgemeinsymptome:
13. Hitzewallungen oder Kälteschauer; 14. Gefühllosigkeit oder Kribbelgefühle.
- die Betroffene eine deutliche emotionale Belastung durch das Vermeidungsverhalten oder die Angstsymptome erleben und die Betroffenen die Einsicht haben, dass diese übertrieben oder unvernünftig sind.
- die Symptome sich ausschließlich oder vornehmlich auf die gefürchtete Situation oder Gedanken an diese beschränken.
Literatur (Spezifische Phobien: Diagnose nach ICD-10):
Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (Hrsg.) (2000). Leitlinien zur Diagnostik und Therapie von Angsterkrankungen. In: Dengler W, Selbmann HK (Hrsg.). Leitlinien zur Diagnostik und Therapie von Angsterkrankungen. Steinkopff-/Springer-Verlag.
Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie (Hrsg.) (2007). Leitlinien zur Diagnostik und Therapie von psychischen Störungen im Säuglings-, Kindes- und Jugendalter. 3. Auflage. Deutscher Ärzte-Verlag.
Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI), Graubner B (Hrsg.) (2008). ICD-10-GM 2009 - Systematisches Verzeichnis: Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme - 10. Revision - German Modification. Deutscher Ärzte-Verlag.
Weltgesundheitsorganisation; Dilling H, Mombour W, Schmidt MH, Schulte-Markwort E (Hrsg) (2011). Internationale Klassifikation psychischer Störungen. ICD-10 Kapitel V (F). Diagnostische Kriterien für Forschung und Praxis. 5. Auflage. Bern: Huber.
Weltgesundheitsorganisation; Dilling H, Mombour W, Schmidt MH (Hrsg) (2009). Internationale Klassifikation psychischer Störungen. ICD-10 Kapitel V (F). Klinisch-diagnostische Leitlinien. 7. Auflage. Bern: Huber.
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