Verhaltenstherapie
Übersicht
Die Verhaltenstherapie ist eine psychotherapeutische Grundrichtung, die auf der empirischen Psychologie basiert. Unter dem Oberbegriff „Verhaltenstherapie“ werden dabei verschiedene psychotherapeutische Modelle und Behandlungstechniken zusammengefasst.
Während die Verhaltenstherapie insbesondere in den USA seit Jahrzehnten ihre Anwendung findet, ist sie in Deutschland erst seit 1987 als Psychotherapieverfahren gemäß den Psychotherapierichtlinien der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KVB) zugelassen. Inzwischen hat sich die Verhaltenstherapie zur Psychotherapieform, mit den am besten in Studien belegten Behandlungsergebnissen weiter entwickelt.
Grundprinzipien
Die Verhaltenstherapie geht davon aus, dass ein ungesundes Verhalten den gleichen lerntheoretischen Regeln unterliegt, wie ein gesundes Verhalten, und entsprechend gelernt und auch wieder verlernt werden kann. Die Behandlungsverfahren der Verhaltenstherapie orientieren sich an der experimentellen Untersuchung der empirischen Psychologie. Die therapeutischen Verfahren sollen objektiv, reliabel und valide überprüfbar sein.
Die Verhaltenstherapie versteht sich als problemorientiert, zielorientiert und handlungsorientiert (d.h. es wird eine Problemanalyse durchgeführt, anhand derer mit den Pat. feste Behandlungsziele vereinbart werde). Die aktive Rolle des Patienten soll durch die Therapie gefördert und unterstützt) werden.
Im Gegensatz zu verschieden anderen Therapieformen ist die Verhaltenstherapie nicht auf das therapeutische Setting begrenzt, vielmehr werden die Patienten ermuntert, die in den Therapiesitzungen erarbeiteten Inhalte auch außerhalb der Therapiesitzung im Alltag zu erproben.
Die Verhaltenstherapie soll für den Patienten eine Hilfe zur Selbsthilfe sein, die es ihm ermöglichen soll, im Verlauf seine Erkrankungen bzw. Störungen eigenständig zu bewältigen. Deswegen ist eine Grundbedingung, dass die Behandlungstechniken für die Betroffenen transparent, nachvollziehbar und im Therapieverlauf selbstständig anwendbar sind.
Kognitive Wende
In den 70iger Jahren wurden zunehmend kognitive Ansätze in die Verhaltenstherapie integriert. Als erstes wurde das Selbstinstruktionstraining von Donald Meichenbaum (1975) als kognitiver Therapieansatz in der Verhaltenstherapie anerkannt. Andere Modelle und Verfahren wie das Modell-Lernen (Bandura 1977) und die Ansätze von Albert Ellis und Aaron T. Beck wurden erst nach einiger Kritik in die Verhaltenstherapie integriert.
Sozialpsychologische bzw. psychosoziale Wende
Im weiteren Verlauf wurde zunehmend auch die Bedeutung der lebensgeschichtlichen Entwicklung, der gesellschaftlichen Bedingungen und der sozialen Beziehungen für die Entstehung und Aufrechterhaltung von psychischen und psychosomatischen Störungen erkannt. In Anbetracht dessen wurden in den 80iger Jahren zunehmend multimodale Therapieansätze entwickelt.
Therapieverfahren
In der Verhaltenstherapie unterscheidet man zwischen den so genannten operanten Therapieverfahren, den kognitiven Therapieverfahren und den Konfrontationsverfahren (wie z.B. der Systematischen Desensibilisierung und der Expositionstherapie).
Unterstützend können bei entsprechendem Bedarf der Patienten lernende Verfahren wie z.B. das Kommunikationstraining und das Training sozialer Kompetenzen eingeübt werden. Daneben werden in der Therapie oftmals Entspannungsverfahren eingesetzt, wie z.B. die Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson (PME).
© Dr. Elze - PsychNet, Prien am Chiemsee / Rosenheim, www.Dr-Elze.de
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