Was ist eine Soziale Phobie?
Unter einer Sozialen Phobie versteht man eine Erkrankung, bei der die Betroffenen unter einer ausgeprägten Angst vor sozialen Situationen, wie z.B. dem Essen oder Trinken im Beisein anderer Menschen, dem Ansprechen einer fremden Person oder dem Reden in bzw. vor Gruppen von Menschen, leiden.
Neben ausgeprägten Selbstabwertungen befürchten die Betroffenen dabei zumeist, dass sie selbst oder ihr Verhalten in den sozialen Situationen von anderen Menschen negativ bewertet werden.
Viele Menschen mit Sozialer Phobie erleben ihr eigenes Verhalten in sozialen Situationen als “unzureichend” oder “peinlich”. Die Betroffenen kennen als Bewertung ihres eigenen Verhaltens oftmals vorrangig Gedanken wie „Andere hätten das besser gemacht!“ oder “Meine Leistung war nichts Besonderes, das hätte jeder gekonnt!”.
Da soziale Situationen für Menschen mit sozialer Phobie ein sehr hohes Maß an Unwohlsein und Anspannung mitbringen, versuchen die Betroffenen zumeist öffentliche Situationen so gut es geht zu vermeiden. Das Vermeiden der öffentliche Situationen hat jedoch langfristig mehrere negative Konsequenzen.
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© Dr. Elze - PsychNet, Prien am Chiemsee / Rosenheim, www.Dr-Elze.de
Vermeidung von sozialen Situationen
Menschen, die unter einer sozialen Phobie leiden, haben zumeist eine sehr übersteigerte Angst, negativ aufzufallen oder sich zu blamieren. Diese Angst ist oft so stark ausgeprägt, dass immer mehr soziale Situationen vermieden werden.
- Kurzfristige Konsequenzen: Für einen kurzen Moment sinkt durch das Vermeiden die Anspannung, die meisten Betroffenen erleben eine kurze Erleichterung. Kurz darauf setzt dann bei vielen Erkrankten aber eine ausgeprägte Enttäuschung und Frustration ein, dass sie es “schon wieder nicht geschafft haben”.
- Langfristige Konsequenzen: Diese Enttäuschung über den erneuten Misserfolg führt bei vielen Menschen mit sozialen Ängsten zu einer zunehmenden Verunsicherung und zunehmenden Selbstabwertungen (“nicht mal das schaffe ich noch... - ich bin zu überhaupt nichts wert...”). Dies kann letzendlich in einen Teufelskreis führen, in dem sich die Betroffenen zunehmend zurückziehen und ihre Ängste immer weiter zunehmen. Darüber hinaus werden durch das angstbedingte Vermeiden sozialer Situationen oft wichtige soziale Fertigkeiten nicht erlernt. Dadurch kommt es bei den Betroffenen zu einer weiteren Verstärkung des Gefühls der eigenen Unzulänglichkeit.
Obwohl die meisten Menschen mit sozialen Ängsten unter diesen langfristigen Konsequenzen erheblich leiden und sie sich selbst oft sehr wohl bewusst sind, dass das Vermeiden der sozialen Situationen ihre Ängste nicht lösen kann, sind sie doch durch das kurze Absinken der massiven Anspannung zu Beginn der Vermeidung in diesem Teufelskreis gefangen. Dies ist dabei ein vollkommen menschliches, natürliches Verhalten, denn so gut wie alle Lebewesen versuchen, aus Situationen mit massiver Anspannung möglichst schnell wieder heraus zu kommen. Dabei “sucht” sich der Körper aber zumeist die “naheliegende”, kurzfristige Lösung, selbst wenn diese langfristig vielleicht eher schädlich ist.
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“Gute Ratschläge...”
Alle “gut gemeinten Ratschläge” der Mitmenschen wie “Jetzt geh doch einfach mal da hin, dir passiert schon nichts...” bewirken in dieser Situation leider genau das Gegenteil: Die Betroffenen erleben sich zunehmend bedrängt und erneut darin bestätigt, dass sie selbst etwas nicht können, was für andere Menschen doch anscheinend eine Selbstverständlichkeit ist. Als Konsequenz sinkt ihr Selbstbewusstsein weiter und die Selbstabwertungen nehmen weiter zu.
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Verlust an Lebensqualität
Durch den sozialen Rückzug erleben viele Menschen mit sozialen Phobien einen erheblichen Verlust an Lebensqualität. Da sich die sozialen Ängste auf alle Lebensbereiche ausweiten können, kann es passieren, dass die Erkrankten unter einer zunehmenden Isolation, unter Problemen in Schule und Beruf, bis hin zu Einschränkungen in allen sozialen Bereichen leiden. Dies kann soweit führen, dass sich manche Erkrankte nicht mehr zum Einkaufen trauen, nicht mehr telefonieren können, und auch bzw. gerade wichtige Unternehmungen, wie z.B. der Besuch von Ämtern oder Ärzten für sie unmöglich wird.
Dies kann schwerwiegende Konsequenzen haben: Viele Erkrankten “trauen” sich nicht, über ihre Erkrankung zu reden. Es fällt ihnen deswegen zum Beispiel auch sehr schwer, zu ihrem Hausarzt zu gehen und noch dazu beim Arzt über ihre Ängste und Befürchtungen zu reden. Deswegen kommt es leider sehr häufig vor, dass die Betroffenen die Arztbesuche meiden und notwendige Hilfe nicht einfordern.
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Ängste in der Schule
Bei sehr vielen Erkrankten haben die sozialen Ängste bereits im Kindes- und Jugendalter begonnen. Dies kann zu großen Problemen in Schule und Ausbildung führen. Die Betroffenen trauen sich oftmals aufgrund ihrer Ängste nicht, sich in den Unterricht einzubringen - nicht etwa, weil sie die Antwort nicht wüssten, sondern aus der Befürchtung heraus, etwas Falsches sagen zu können oder aufzufallen.
Falls die Lehrerin / der Lehrer nicht bemerkt, unter welchem enormen Druck die Betroffenen stehen, und unter welchen Ängsten sie leiden, kann es schnell vorkommen, dass die Erkrankten schlechte Noten erhalten und unter missbilligenden Kommentaren ihrer Mitschüler leiden. Dadurch kann sich ihr negatives Selbstbild leider bereits in Kindheit und Jugend immer weiter verstärken.
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Wie unterscheidet man Schüchternheit und Soziale Phobie?
Die Grenzen zwischen extremer Schüchternheit und sozialer Phobie sind fließend. Wie schüchterne Menschen fühlen sich auch Betroffene mit sozialer Phobie in sozialen Kontakten gehemmt, erleben im Kontakt mit anderen Menschen körperliche Symptome wie Erröten, Zittern und Schwitzen und neigen dazu soziale Kontakte zu vermeiden, jedoch ist diese Symptomatik bei Menschen mit sozialer Phobie sehr viel stärker ausgeprägt.
Bücher zum Thema Soziale Phobie
Ratgeber für Betroffene und Angehörige
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