Wie kann ich meine Ängste überwinden?
Viele Menschen, die von Ängsten in ihrem Leben beeinträchtigt werden, fragen sich, wie sie ihre Ängste überwinden können. Dabei versuchen sie oft auf verschiedenste Weise, aus den Ängsten heraus zu finden. Einigen Angstpatienten gelingt dies auch ohne therapeutische Hilfe, viele Angstpatienten kennen aber, dass ihre Ängste trotz aller Anstrengungen weiter bestehen.
Um die Ängste langfristig überwinden zu können, gibt es einige wichtige Grundlagen, die beachtet werden müssen.
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© Dr. Elze - PsychNet, Prien am Chiemsee / Rosenheim, www.Dr-Elze.de
Mit der Angst arbeiten - und nicht “dagegen”
Ein großer Fehler, den sehr viele Menschen mit Ängsten machen, ist, dass sie versuchen, “gegen” ihre Ängste zu arbeiten. Dieser Versuch ist vollkommen menschlich und weit verbreitet - nur leider erreichen die meisten Angstpatienten damit genau das Gegenteil.
Um das Ganze zu verdeutlichen ein Beispiel: Viele Menschen, die Angst vor dem U-Bahn-Fahren haben, versuchen sich trotz der Ängste in die U-Bahn zu setzen und dort die Angst “auszuhalten”. Die Idee ist erst einmal ganz logisch, nur leider kann sich ein fataler Effekt einstellen: Die Anspannung steigt, die Betroffenen versuchen trotzdem noch eine Station weiter zu fahren, und noch eine, und noch eine, dabei steigt ihre Angst immer weiter, bis sie schließlich voller Angst und Anspannung aus der U-Bahn aussteigen.
Der Körper hat dabei als Konsequenz leider erneut gelernt, dass U-Bahn-Fahren etwas ganz Schlimmes und Bedrohliches ist, das er tunlichst vermeiden sollte - die Angst ist also nicht weniger geworden, sondern sogar noch verstärkt worden.
Das Ziel der Angsttherapie ist ein anderes. In unserem oben beschriebenen Beispiel würde man zum Beispiel eine sogenannte Exposition mit Reaktionsmanagement durchführen. Exposition heißt dabei, dass sich die Betroffenen wieder in die angstauslösende Situation begeben, sich also wieder in die U-Bahn setzen - aber nicht um die Angst zu verhindern, sondern um zu erfahren, wie sie ihre Ängste bzw. die Angstreaktion managen können.
Konkret heißt dies, dass die Angstpatienten lernen, wie sie trotz bzw. mit der Angst auch schwierige Situationen wieder meistern und bewältigen können. Erst dadurch können die belastenden Situationen zunehmend ihre Bedrohlichkeit verlieren, können sich die Betroffenen ihren Lebensraum wieder zurück erobern und die Ängste immer weniger werden.
In unserem Beispiel hört sich dies vielleicht einfach - in der Wirklichkeit ist bis zum Durchführen einer wirkungsvollen Exposition jedoch einige Vorbereitung erforderlich. So sollten die Betroffenen zum Beispiel zunächst einmal lernen, wie sie die Exposition durchführen können und worauf sie dabei achten müssen. Darüber hinaus ist es oftmals sinnvoll, dass die Angstpatienten zunächst einige Expositionen zusammen mit einem Therapeuten / einer Therapeutin durchführen, um zu Beginn der Expositionstherapie eine fachliche Unterstützung zu bekommen.
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Die Ursache für die Ängste finden
Auch wenn es einem oftmals vorkommt, als ob die Ängste “wie aus heiterem Himmel” kommen - viele Ängste haben ganz bestimmte Ursachen und Funktionen, die ergründet werden müssen. Damit die Ängste auch wirklich langfristig überwunden werden können, ist es unumgänglich, dass auch diese Ursachen erarbeitet werden.
Das Erlernen von Techniken zum Bewältigen der einzelnen Angstattacken, zum Beispiel wie oben beschreiben durch ein Expositionstraining, ist sinnvoll und dringend notwendig - es nützt dabei aber leider oftmals nicht alleine. Sie können sich dies leicht an folgendem Beispiel vorstellen: Wenn sie einen Dorn in ihrem Fahrradreifen haben, dann ist es natürlich sinnvoll zu lernen, wie sie den Reifen flicken können - nur so lange sie den Dorn nicht aus dem Reifenmantel heraus bekommen haben, wird der Reifen immer wieder schnell an Luft verlieren...
Für eine langfristig erfolgreiche Angsttherapie braucht es also beides: Einerseits Techniken, um kurzfristig besser mit den Ängsten umgehen zu können, und andererseits eine Aufarbeitung und Veränderung der Ursachen der Ängste.
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Erfahren, dass man SELBST die Ängste überwinden kann
Die allerwichtigsten Ziele der Angsttherapie sind, dass die Betroffenen lernen, wie sie sich wieder auf sich selbst und auf ihren Körper verlassen können - und dass sie erfahren, dass sie die Ängste eigenständig und mit ihren eigenen Kräften überwinden können.
Die therapeutische Hilfe sollte deswegen so ausgerichtet sein, dass die Angstpatienten zunächst zu Beginn der Angstbehandlung eine ausreichende Unterstützung bekommen, und dass sie dann im Verlauf der Therapie zunehmend erlernen, wie sie ihre Ängste selbstständig überwinden können, ohne dass sie auf dauerhafte Hilfe von außen angewiesen sind.
Deswegen sind auch “Hilfsmittel” wie z.B. Beruhigungsmittel oder Rescue-Tropfen nur zu Beginn der Behandlung (wenn überhaupt) sinnvoll - das Ziel der Angsttherapie ist vielmehr, dass die Betroffenen erfahren, wie sie auch ohne diese ganzen Hilfsmittel und ohne fremde Hilfe, also so wie sie selber sind, mit ihren eigenen, ganz persönlichen Ressourcen, wieder angstfrei leben können.
Bücher zum Thema Ängste und Phobien
Ratgeber für Betroffene und Angehörige
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