Zwangsstörungen: Übersicht
Zwänge
Unter Zwängen versteht man Gedanken oder Impulse, welche die Betroffenen immer wieder stereotyp und quälend beschäftigen. Dabei wird in sogenannte Zwangsgedanken und in Zwangshandlungen unterschieden. Die Betroffenen versuchen häufig erfolglos, den Zwängen Widerstand zu leisten, so dass langfristig ein erheblicher Leidensdruck entstehen kann.
Die Zwänge werden häufig von einer ausgeprägten Angst begleitet, die sich verstärkt, wenn die Betroffenen versuchen, ihre Zwangsgedanken oder Zwangshandlungen zu unterdrücken.
Zwangsgedanken
Zwangsgedanken (engl. obsessions) sind Ideen, Vorstellungen oder Impulse, die den Betroffenen immer wieder stereotyp beschäftigen. Die Zwangsgedanken können die Form von zwanghaften Ideen, von bildhaften Vorstellungen oder von Zwangsimpulsen annehmen.
Die Zwangsgedanken richten sich häufig auf die Befürchtung, jemand anderem Schaden zugefügt zu haben bzw. in Zukunft zuzufügen („...ich habe den Radfahrer beim Überholen bestimmt angefahren...!“; „...ich könnte mein Kind verletzen...!“). Die Gedanken werden von den Betroffenen fast immer als quälend erlebt.
Eine besondere Form der Zwangsgedanken ist der Grübelzwang, bei dem die Betroffenen in endlose Überlegungen über Alternativen geraten und dadurch häufig die Fähigkeit verlieren, notwendige Entscheidungen des täglichen Lebens zu treffen.
Zur genaueren Charakterisierung der Zwangsgedanken wird unterschieden, ob die Zwangsgedanken einen sogenannten Stimulus-Charakter oder einen Reaktions-Charakter haben.
Zwangsgedanken mit Stimulus-Charakter
Zwangsgedanken mit Stimulus-Charakter zeichnen sich dadurch aus, dass sie bei den Betroffenen zu einem Anstieg der Anspannung führen. Häufig haben diese Gedanken einen Warn- oder Befehlscharakter wie z.B. „Ich könnte / muss meinen Angehörigen verletzen!“. In den meisten Fällen sind diese Gedanken für die Betroffenen so angstbesetzt, dass sie „nicht zu Ende gedacht“ werden.
Zwangsgedanken mit Reaktionscharakter
Zwangsgedanken mit Reaktionscharakter werden demgegenüber von den Betroffenen (bewusst oder unbewusst) zur Reduktion ihrer Anspannung eingesetzt. Diese Gedanken sollen vorrangig andere bedrohliche (Zwangs-)Gedanken bzw. Impulse neutralisieren oder ungeschehen machen. In dem Diagnosemanual DSM-IV werden diese Gedanken deswegen nicht zu den Zwangsgedanken sondern zu den Zwangshandlungen gezählt.
Zwangshandlungen
Zwangshandlungen (engl. compulsions) oder Zwangsrituale sind Stereotypien, die von den Betroffenen ständig wiederholt werden. Die Betroffenen erleben sie oft als Vorbeugung gegen ein (objektiv unwahrscheinliches) Ereignis, das ihnen oder anderen Schaden bringen könnte oder bei dem sie selbst Unheil anrichten könnten. Die Betroffenen selbst erleben dieses Verhalten zumeist als sinnlos und ineffektiv und versuchen immer wieder, gegen diese Verhalten anzugehen.
Am häufigsten kommen Reinigungs- bzw. Waschzwänge (z.B. Händewaschen, Duschen) und Kontrollzwänge (z.B. Haustür, Herd) vor. Weitere typische Zwangshandlungen sind z.B. der Sammelzwang, Zählzwang, Ordnungszwang oder der Einkaufszwang.
Wie im Kapitel „Zwangsgedanken“ beschrieben, werden auch die sogenannten Zwangsgedanken mit Reaktionscharakter nach bestimmten Diagnosesystemen (DSM-IV) zu den Zwangshandlungen gezählt, da die Betroffenen durch diese Gedanken eine ganz bestimmte Wirkung erzielen möchten.
Zwangsstörungen (Übersicht): Literatur
Abramowitz JS, Taylor S, McKay D (2009). Obsessive-compulsive disorder. Lancet 374(9688): 491-99. Zum Artikel (Volltext) >>
© Dr. Elze - PsychNet, Prien am Chiemsee / Rosenheim, www.Dr-Elze.de
Fachbücher zum Thema Zwangsstörungen
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