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Zyklothymia (Zyklothymie)

Übersicht

Der Begriff „Zyklothymie“ wurde 1880 von dem deutschen Psychiater Karl Ludwig Kahlbaum geprägt. Kahlbaum wollte damit die These betonen, dass es sich bei manischen und depressiven Episoden um Phasen der gleichen Krankheit handelt.

Aktuell wird der Begriff „Zyklothymie“ aus diesen historischen Gründen im deutschen Sprachraum zum Teil anders verwandt, als in den internationalen Diagnose-Systemen. In Anlehnung an Kahlbaum wird er im deutschen Sprachgebrauch manchmal analog zu den Begriffen „bipolare Erkrankung“ oder „manisch-depressive Erkrankung“ verwendet.

In den internationalen Diagnose-Systemen ICD-10 und DSM-IV beschreibt der Begriff Zyklothymia (auch “Zyklothymie” oder “Zyklothyme Störung” genannt) dagegen eine Erkrankung,  die durch eine andauernde Instabilität der Stimmung mit einem Wechsel zwischen zahlreichen depressiven Phasen und Phasen leicht gehobener Stimmung (Hypomanie) charakterisiert ist, bei der die depressiven oder hypomanen Phasen aber nicht so ausgeprägt, dass sie die Kriterien für eine bipolare affektive Störung oder eine rezidivierende depressive Störung erfüllen.

 

Definition nach ICD-10

Die Internationalen Klassifikation der Krankheiten (International Classification of Diseases - ICD-10) definiert die Zyklothymia (ICD-10 F34.0) als eine Erkrankung, die durch eine andauernde Instabilität der Stimmung mit einem Wechsel zwischen zahlreichen depressiven Phasen und Phasen leicht gehobener Stimmung (Hypomanie) charakterisiert ist. Die depressiven oder hypomanen Phasen sind aber nicht so ausgeprägt, dass sie die Kriterien für eine bipolare affektive Störung (ICD-10 F31) oder eine rezidivierende depressive Störung (ICD-10 F33) erfüllen.

Literatur (Zyklothymie: ICD-10):

Weltgesundheitsorganisation; Dilling H, Mombour W, Schmidt MH, Schulte-Markwort (Hrsg) (2006). Internationale Klassifikation psychischer Störungen. ICD-10 Kapitel V (F). Diagnostische Kriterien für Forschung und Praxis. 4. Auflage. Bern: Huber.

 

Diagnosestellung nach DSM-IV

Nach dem Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM-IV) wird die Diagnose Zyklothyme Störung (DSM-IV 301.13) gestellt, wenn die Betroffenen für die Dauer von mindestens 2 Jahren unter zahlreichen Episoden mit hypomanen Symptomen und zusätzlichen zahlreiche Episoden mit depressiven Symptomen leiden. In diesem Zeitraum darf kein durchgehend symptomfreies Intervall von zwei Monate oder länger bestanden haben.

Die Perioden mit hypomanen Symptomen müssen durch eine anhaltend gehobene, expansive oder reizbare Stimmung über mindestens 4 Tage Dauer gekennzeichnet sein.

In den hypomanen Phasen müssen zusätzlich mindestens 3 (mindestens 4 bei ausschließlich reizbarer Stimmung) weitere der unten genannten hypomanen Symptome bestehen. Symptome, die durch eine antidepressive Medikation oder körperliche Faktoren bedingt sind, dürfen nicht mit berücksichtigt werden:

  • Übersteigertes Selbstwertgefühl oder Größenideen,
  • Vermindertes Schlafbedürfnis,
  • Vermehrte Gesprächigkeit oder Rededrang,
  • Ideenflucht oder subjektives Gefühl des Gedankenrasens,
  • Erhöhte Ablenkbarkeit,
  • Gesteigerte Betriebsamkeit (im sozialen, beruflichen, schulischen oder sexuellen Bereich) oder psychomotorische Unruhe,
  • Übermäßige Beschäftigung mit angenehmen Aktivitäten, die mit hoher Wahrscheinlichkeit unangenehmen Konsequenzen nach sich ziehen (z.B. ungezügeltes Einkaufen, sexuelle Eskapaden etc.).

Die hypomane Perioden dürfen nicht schwer genug sein, um deutliche soziale oder berufliche Funktionsbeeinträchtigung zu verursachen oder eine Klinikaufnahme zu erfordern. Es dürfen auch keine psychotischen Symptome bestehen, da ansonsten die Kriterien für eine Manische oder Gemischte Episode erfüllt wären und entsprechend eine Zyklothyme Störung nicht diagnostiziert werden dürfte.

Während der ersten beiden Jahre der Störung (bei Kindern/Heranwachsenden ein Jahr) darf zu keinem Zeitpunkt eine Episode einer Major Depression, eine manische Episode oder eine gemischte Episode bestanden haben. Später können bei der zyklothymen Störung „überlagerte Episoden“ auftreten.

Die Symptome dürfen nicht besser durch eine schizoaffektive Störung erklärt werden. Es darf keine psychotische bzw. wahnhafte Störung bestehen. Die Symptome dürfen nicht durch die Wirkung einer Substanz (z.B. Drogen oder Medikamente) oder einen körperlichen Krankheitsfaktor verursacht sein.

Die Symptome müssen in klinisch bedeutsamer Weise Leiden oder Beeinträchtigungen in sozialen, beruflichen oder anderen wichtigen Funktionsbereichen verursachen.

Als Differentialdiagnose kommen u.a. die Dysthyme Störung (DMS-IV 300.4), die Anpassungsstörung mit depressiver Stimmung (DMS-IV 309.0), die Bipolare Störung (DMS-IV 296.xx), eine Episode einer Major Depression (DMS-IV 296.xx) oder eine Depressive Störung NNB (DMS-IV 311) in Betracht.

Literatur (Zyklothymia: Diagnose nach DSM-IV):

Saß H, Wittchen H-U, Zaudig M, Houben I (1998). Diagnostische Kriterien des Diagnostischen und Statistischen Manuals Psychischer Störungen DSM-IV. Göttingen, Bern: Hogrefe.

 

Epidemiologie

Die Zyklothymie hat eine Lebenszeitprävalenz von ca. 0,5-1%. Die Zyklothymie kommt gehäuft bei Verwandten von Patienten mit bipolarer affektiver Störung vor. Einige Patienten mit Zyklothymie entwickeln schließlich im Verlauf selbst eine bipolare affektive Störung.

 

Symptome

Die Phasen mit den sogenannten hypomanen Symptomen sind durch eine anhaltend gehobene, expansive oder reizbare Stimmung gekennzeichnet, die über mindestens 4 Tage Dauer anhält.

Zusätzlich treten in der hypomanen Phase Symptome auf wie

  • vermindertes Schlafbedürfnis,
  • vermehrte Gesprächigkeit oder Rededrang,
  • Ideenflucht oder subjektives Gefühl des Gedankenrasens,
  • erhöhte Ablenkbarkeit,
  • übersteigertes Selbstwertgefühl oder Größenideen,
  • gesteigerte Betriebsamkeit (im sozialen, beruflichen, schulischen oder sexuellen Bereich) oder psychomotorische Unruhe,
  • übermäßige Beschäftigung mit angenehmen Aktivitäten, die mit hoher Wahrscheinlichkeit unangenehmen Konsequenzen nach sich ziehen (z.B. ungezügeltes Einkaufen, sexuelle Eskapaden etc.)

In den depressiven Phasen kann es zum Auftreten von Symptomen wie Stimmungstief, Gedankenkreisen und Grübeln, übermäßigen Schuldgefühlen, vermindertem Selbstwertgefühl usw. kommen.

 

Therapie

Die Behandlung der Zyklothymia ist bisher nur wenig wissenschaftlich untersucht. Soweit bekannt kann falls erforderlich die Pharmakotherapie mit Lithium, Carbamazepin oder Valproinsäure hilfreich sein. Die Gabe von Antidepressiva kann kritisch sein, da die alleinige Antidepressiva-Gabe bei ca. der Hälfte der Zyklothymie-Patienten zum Auftreten von hypomanen oder manischen Symptomen führen kann.
 

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Letzte Aktualisierung: Mittwoch, 16. Mai 2012

 

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